Ein Sack voll Geld – und nun?

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Letzte Woche bin ich über etwas Erstaunliches gestolpert.

Stellen Sie sich mal vor, Sie arbeiten an einem neuen Produkt, das Sie ziemlich in Beschlag nimmt. Sie bringen es raus, ernten einen lobenswerten Anfangserfolg – aber auch jede Menge Verbesserungsvorschläge, die Sie in den folgenden zwölf Monaten mit einer Crew von engagierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umsetzen.

Jede neue Version erregt mehr Aufmerksamkeit, in der Presse und im Netz mehren sich die wohlwollenden Stimmen – und dann bringen Sie ein Update heraus, das Ihnen den Durchbruch beschert.

Ihr Produkt wird nun überall gelistet, und es passiert das, von dem viele träumen: Tag und Nacht strömt nun von überall her Geld auf Ihr Konto. Mehr als Sie ausgeben können oder wollen. So dass nun ein Pölsterchen zu wachsen beginnt, erst klein, dann immer größer – und der Strom will gar nicht mehr aufhören, sondern schwillt an.

Was würden Sie in einer solchen Situation machen? Wie würden Sie vorgehen?

Wenn Sie mich fragen: Ich hätte mir überlegt, wie ich den Erfolg, jetzt, da er nun endlich da ist, noch weiter ausbauen kann. Vermutlich hätte ich große Pläne geschmiedet, Strategien konzipiert, Leute eingestellt und mich noch mehr in die Arbeit gestürzt.

Um so spannender war es für mich, mal eine ganz andere Variante dieses Szenarios zu erleben.

Die Rede ist von der Firma, die eine Software namens “Pixelmator” entwickelt hat. Pixelmator ist wie Photoshop eine Bildverarbeitung für den Mac-Computer. Nur deutlich preiswerter. Ich habe mir das Programm damals, als ich auf den Mac umgestiegen bin (Anno 2008), als eines der ersten Programme angeschafft und seitdem die Entwicklung stetig mitverfolgt.

Der Durchbruch erfolgte dann im Sommer 2009: Pixelmator 1.5 “verkauft sich überall”, schreibt das Unternehmen in seinem Blog: “ob unser eigener, kleiner Webshop oder solche Giganten wie Apple oder Amazon… Version 1.5 ist unsere erfolgreichste Veröffentlichung. Es verkauft sich selbst heute noch wie geschnitten Brot und wir haben viel Geld damit verdient.”

Damit kehre ich zu meiner anfänglichen Frage zurück: Was würden Sie machen, wenn der Erfolg bei Ihnen so heftig einschlägt?

Und was glauben Sie, was die Leute von Pixelmator gemacht haben?

Die Antwort wird Sie – vielleicht – verblüffen: Urlaub.

Richtig gelesen. Statt jetzt nachzukarten, haben die Entwickler sich eine ordentliche Portion Ferien verschrieben. Und mit ordentlich ist gemeint: Drei Monate.

“Ja, mir ist klar, “schreibt Saulius Dailide, “dass das eine ungewöhnlich lange Pause ist. Aber wenn Sie die vielen Updates in Betracht ziehen, hoffe ich, dass Sie uns die Zeit zur Entschleunigung gönnen.”

“Es war abgemacht, dass die Urlaubszeit unbegrenzt ist, so dass jedes Teammitglied sich die Zeit nehmen kann, bis er es nicht mehr aushält und unbedingt weiter arbeiten möchte.”

Respekt! Mal für ein oder zwei Wochen Pause zu machen, finde ich normal. Einen Monat finde ich schon ungewöhnlich. Zwei Monate hört sich für mich fast schon wie ein Sabbatical an, eine kurze, zeitlich übersichtliche Auszeit – aber nicht wie ein Urlaub. Dass man aber jedoch in diesen temporeichen Zeiten, noch dazu in einer Branche, in der es nie Feierarbend gibt und in der stündlich irgendwer irgendwo auf dem Globus einen technischen Durchbruch erzielt, dass man da einfach sagt, wir machen unbegrenzt Urlaub, das habe ich mit Verlaub noch nie gehört.

Und doch ist es so sehr: richtig. (Die Germanisten unter ihnen mögen mir diese seltsame Formulierung verzeihen). Warum nicht auf der Höhe einer Erfolgskurve innehalten und den Durchbruch nebst Geldsegen genießen? Ist es nicht das, was wir uns alle mal geschworen haben?

“Wir war in München und besichtigten einige sehr beeindruckende Alpenschlösser, und das alles trug dazu bei, dass wir uns geistig erfrischen und unsere Kraftreserven volltanken konnten.”

Danach haben sie sich neue Büroräumlichkeiten gesucht, sich schön eingerichtet – und nun stehen sie wieder in den Startlöchern: “Mit einem klaren Kopf haben wir den Pixelmator Flugplan überarbeitet, der jetzt besser denn je aussieht. Der Plan ist so inspirierend, dass das Team kaum abwarten kann, ihn umzusetzen.”

Denn mal tau.


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