Sommerpause für Körper und Seele – eine Entdeckungsreise zu sich selbst
von Anett Renner…Endlich sind sie da, die lang ersehnten Sonnenstunden, die reichen Geschenke aus Farben, Gerüchen und Früchten der Natur. Es ist Sommer, es ist Halbzeit, für viele die Zeit für längere Auszeit und Erholung.Vielleicht haben Sie wie viele andere auch das Jahr mit neuen Vorsätzen begonnen und diese längst- gefangen im Alltagsstrudel- wie eh und je begraben. Schön wäre, wenn es Ihnen gelungen ist, auch nur eine Kleinigkeit Ihrer Vorsätze umzusetzen, den ersten oder zweiten Schritt gegangen zu sein. Ich lade Sie hiermit ein, damit anzufangen bzw. fortzusetzen.Ein sehr häufig geäußerter Wunsch ist unserem von Hektik, Zeitmangel und Existenzangst geprägten Alltag zu entfliehen und mehr Zeit für sich selbst und die Lieben zu haben. Jetzt in der Urlaubszeit haben Sie wahrscheinlich mehr Gelegenheit dazu also sonst…Wer kennt sie nicht, diese Momente der Müdigkeit, der Kraftlosigkeit, des „Ausgepowert-Seins“, der Lustlosigkeit, das ewige Rad der Problembewältigung im Alltag mit immer wiederkehrenden monotonen bis gänzlich herausfordernden Aufgaben. Oft geht dabei der Bezug zu den eigenen Wurzeln und Zielen verloren.Überspitzt kann man mit dem Alltagsleben einen Vergleich zu den weltweit erzählten Heldenmythen ziehen, in denen der Held auszieht, um aus Erfahrungen zu lernen, sich mit Gegnern meist kämpferisch auseinanderzusetzen und gereift zurückzukehren. Beim Verfolgen der individuellen Lebensziele und alltäglichen Pflichten kommen meist die für gute Leistungsfähigkeit nötigen Erholungsphasen sowie die zugrunde liegenden Werte wie Harmonie, Gemeinschaft, Familie, Muse haben , sich wohl fühlen, gemeinsam lachen u.ä. viel zu kurz. Mittlerweile könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Geschichten nur noch heißen: „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ und es tatsächlich lernte. Der Held begegnet dem Feind, und der Kampf mit diesem ermüdet ihn derart, dass die Erschöpfung größer und größer, vielleicht sogar selbst zum inneren Feind oder Dämon wird. Es erübrigen sich damit der Genuss von Erfolg bzw. die Reflexion über Versagen und Initiative für neue Strategien. Viel schlimmer, analog zur Heldengeschichte, der Triumph, die Heimkehr, das Hochleben des Helden und der Kontakt zur Geliebten kommen nicht zum Tragen.Vielleicht nutzen Sie ein Teil der Urlaubszeit zur Reise zu sich selbst und Entdeckung Ihrer heldenhaften Seiten.Jeder Mensch trägt einen Helden in sich, aber auch seinen inneren Feind mit dämonartigen Zügen, gewachsen aus dem jeweiligen Lebensweg. Beide verfolgen differenzierte Ziele, bedingen Werte, Glaubenssätze und Handeln.Machen Sie sich zunächst einmal Gedanken, was Ihre heldenhaften Seiten sind. Für das Finden Ihrer eigentlichen Mission werden vielmehr Zeit und ggf. auch andere Perspektiven benötigt.Schritt 1: Raus aus dem AlltagJede Reise will gut vorbereitet sein. Jede Reise ist ein Entfernen von zu Hause.Suchen Sie sich einen Platz, der nicht viel mit Ihrem alltäglichem Umfeld zu tun hat. Einen Platz, den Sie mögen, wo Sie sich wohl fühlen, der Ihnen die Chance gibt, Abstand zu gewinnen, in sich zu gehen und bei sich anzukommen. Schaffen Sie damit einen Kontrast zu Ihrem Alltag und schenken Sie sich Zeit sowie Offenheit, an diesem wunderbaren Ort sein zu dürfen.Schritt 2. Werden Sie langsamer und lassen Sie sich atmenMeist fällt das Abschalten von Alltag und Lebenskontexten sehr schwer. Auch im Urlaub, zumindest in den ersten Tagen oder am Wochenende schwirren einem die Problem-Themen des Alltags im Kopf herum. Versuchen Sie sie nicht willkürlich aus dem Kopf „wegzudrängen“, denn so müssen sich immer wieder „bemerkbar“ machen, da sie nun mal dazu gehören. Einfacher geht’s, wenn Sie eine andere Ebene fokussieren. Am besten ist der Atem dafür geeignet. Dieser wellenartige ureigene Lebensrhythmus ist eine große Quelle für Kraft, Erholung und Entspannung. Indem Sie einfach nur Ihren Atem verfolgen, ohne ihn willentlich in Länge, Tiefe oder Frequenz zu beeinflussen, können Sie einen guten Kontakt zu sich selbst finden. Lassen Sie den Atem kommen und gehen, egal ob er flach, leicht, schwer, langsam oder schnell ist. Hören Sie auf Ihren Atem und genießen Sie diese klare Aufmerksamkeit zum Grundrhythmus des Lebens.Schritt 3. Werden Sie noch langsamerVersuchen Sie weiterhin sich atmen zu lassen, d.h. Ihren eigenen Atemrhythmus Raum und Zeit zu geben, ihn so sein zu lassen wie er ist. Sie werden merken, dass Sie i.d.R. automatisch ruhiger und langsamer im Atemrhythmus werden.Schritt 4. Lebensziele ins Auge fassenOft verliert man die großen Ziele, die man anstrebt im Alltag aus dem Auge und ist gefangen wie der Hamster im Rad der Gewohnheit.Was sind die eigentlichen Ziele, die Sie nicht nur kurzfristig, sondern auch längerfristig erreichen wollen? Wenn das Sie unruhig macht, kehren Sie stets zum Atemrhythmus mit Ihren Gedanken zurück und lassen sich atmen. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, solche Ziele zu konkretisieren, dann fangen Sie mal an zu träumen, und zwar jetzt in Ihrer Auszeit. Was sind die Themen, Werte, Zustände und Beziehungen für die es sich lohnt, zu träumen und „in den Kampf zu ziehen“? Stellen Sie sich vor, wo Sie in fünf oder zehn Jahren stehen möchten. Wie es sich wohl anfühlen mag, wer wohl an Ihrer Seite steht? Beginnen Sie sich in eine positive Zukunft zu träumen. Den ersten Schritt dafür können Sie jetzt schon tun.Schritt 5. Gehen Sie auf EntdeckungsreiseLassen Sie Ihre Gedanken wieder freien Lauf und kommen immer wieder zum Atemrhythmus zurück. Allmählich können Sie Ihren Gedanken nachhängen. Irgendwann einmal können Sie sich auf Entdeckungsreise zu Ihren heldenhaften Seiten begeben. Jeder Mensch besitzt heldenhafte Seiten. Seiten, die uns immer wieder durch schwierige Situationen tragen. Seiten, die uns und anderen Kraft schenken. Seiten, die schön und stark sind. Seiten, die strahlen und begeistern. Seiten, die kämpfen und leiden. Seiten, die verwundet werden und wieder an Kraft gewinnen, heldenhafte Seiten eben.Begeben Sie sich auf die Reise zu dem/der Helden/in in Ihnen. Das kann sehr freudvoll, schöpferisch und kraftspendend sein.Schritt 6. Wo Licht ist, ist auch SchattenUnd wieder lassen Sie sich von Ihrem Atemrhythmus tragen, atmen ruhig weiter und träumen sich weiter auf Ihre Reise. Wenn Sie sich mit Ihren heldenhaften Seiten auseinandersetzen, werden Ihnen auch die Schattenseiten begegnen. Schenken Sie sich genügend Zeit, auch nach diesen zu suchen, sie anzuschauen und als Teile Ihrer selbst zu akzeptieren. Wenn Sie es schaffen, diese meist abgelehnten Seiten liebevoll anzuerkennen und als integraler Bestandteil Ihrer selbst zu schätzen, werden Ihre heldenhaften Seiten und Sie als Person damit stärker. Wenn Ihnen nur ein kleiner Schritt in Richtung Anerkennung einer Schattenseite gelingt, ist schon ein großer Schritt getan.Schritt 7. Die Begegnung mit dem inneren Feind kann wartenDie dunklen, meist tief versteckten Seiten können Sie auch suchen. Dafür empfehle ich jedoch viel viel Zeit und verfügbare Unterstützung in Form von Gesprächen, am besten mit professionellen therapeutisch geschulten Personen und/ oder Möglichkeiten der intensiven Bewegung, wie z.B. Sport oder Tanz.Zwingen Sie sich jedoch auch hier nicht, Ihrem inneren Feind mit dämonenartigen Zügen zu begegnen. Wenn ja, sind Sie gewappnet. Denn Sie haben Ihre heldenhaften Seiten exploriert. Außerdem können Sie immer wieder über die Atmung Abstand gewinnen sowie Kraft schöpfen. Den Kampf kann man auch liebevoll umgehen. Der Dämon in uns zeigt uns etwas über unsere Verletzungen und über die vorhandenen Bedürfnisse, die ihre Berechtigung haben sollten, gesehen zu werden. Vielleicht können Sie diese Seiten auch mit Humor anschauen und nicht mit Abwertung und „Verdrängung“. Das Ausgestoßene und das, was wir zu meiden versuchen, hat meist eine sehr große Kraft sich wieder bemerkbar zu machen. Es mal humorvoll zu beachten, kann die destruktive Kraft in etwas Schöpferisches umwandeln. Auch hier gilt, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit immer wieder der Atmung widmen.Schritt 8. Lassen Sie es sich gut ergehenWenn Sie sich Ihrer Atmung, Ihre heldenhaften und düsteren Seiten bewusster geworden sind, können Sie gestärkt Ihren eigenen Weg finden, lassen sich weniger von Äußerlichkeiten oder Oberflächlichkeiten lenken, schaffen es besser für sich selbst und für Ihren Weg bessere Grenzen zu ziehen. Die intensive Konzentration auf die eigene Atmung kann sehr entspannende Effekte ähnlich wie ein Erholungsschlaf oder die Anwendung von Entspannungsmethoden haben, so dass auch physiologische Veränderungen einstellen. Über das Blut beeinflussen viele Signalstoffe die Stimmung, Vitalität, das Herz-Kreislaufsystem, das Immunsystem sowie die Stress- und Sexualhormonproduktion. Bei langsamer tiefer Atmung wird vermehrt Serotonin gebildet, ein Gute-Laune-Botenstoff. Im EEG werden mehr Alpha- und Theta-Wellen sichtbar, ein Indikator für Ruhe. Die womöglich vorhandene Angst, depressive oder aggressive Zustände werden geringer. Positive Folgen können ein besserer Schlaf sowie eine veränderte Schmerzwahrnehmung sein. Es ist ganz einfach. Lassen Sie sich öfter mal atmen und kommen dadurch zu tieferer Entspannung,… ein und aus…, ein und aus…, wie die Wellen des Meeres, das vielleicht gerade in diesem Moment Ihre Füße umspült, wenn auch nur in Ihrer Fantasie.„Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Und allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus demselben Schlunde; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziel zu. Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.“ (Hermann Hesse: Demian., 2000, S.10)In diesem Sinne eine entdeckungs- und atemreiche Auszeitwünscht IhnenAnett Renner,Coaching2GoDipl. Psychologin, Systemischer Coach, Einzel-, Paar- und Familientherapeutin und Supervisorin (DGSF) arbeitet in eigener Praxis mit Stress-, BurnOut- und Gesundheitsthematiken auf individueller und organisationaler Ebenewww.coaching2go.deKlare Ziele- Individuelle Lösungen- Fokus auf Ressourcen- Kurze effektive Beratung
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