Coach Dich Selbst (4): Es gibt nichts Gutes…

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…außer man tut es.

Sagte weiland Erich Kästner.

Und recht hatte er.

Vor allem, wenn es darum geht, Veränderungen im Leben zu schaffen.

Wie Sie auch große Ziele gepackt bekommen, vor allem die, die Sie sich sehnlichst wünschen, aber wegen des “Bammel”-Faktors noch nicht angepackt haben, verrät Ihnen Teil 4 dieser Serie.Zuvor noch mal alles Vorherige auf den Punkt gebracht.

  1. Das Erfolgsgeheimnis ist nicht nicht irgendwo da draußen – sondern in Ihnen.
  2. Setzen Sie sich Ziele, bei denen Sie Gänsehaut, ein Leuchten in den Augen oder was auch immer an positiven Gefühlen bekommen.
  3. Lauschen Sie Ihren Einwänden und prüfen Sie diese: Unberechtigte Einwände legen Sie ad acta. Berechtigte integrieren Sie in ihr Ziel.

So weit, so gut?

Von wegen.

Denn bis dato ist ja noch nichts weltbewegendes passiert.

Und die Betonung liegt auf “Welt bewegendes”.

Innerlich mag sich einiges getan haben. Aber äußerlich?Ziele setzen und Einwände integrieren sind nur der Anfang.Jetzt geht es darum, ins Handeln zu kommen.Das ist einfacher gesagt, als getan, werden Sie vielleicht jetzt einwenden.Vor allem, wenn es um Ziele geht, die uns wirklich wichtig sind – und die uns zugleich ziemlich fordern. Vielleicht sogar überfordern.Genau hier liegt auch schon der Schweine-Hund begraben.

Nicht klotzen! Sondern kleckern.

Wenn die Ziele zu groß sind, motvieren sie uns nicht mehr. Sondern wirken als Hemmnis. Wir würden ja gerne – aber…Vielleicht kennen Sie das ja? Ich erlebe so etwas immer wieder.

Zum Beispiel in meinen e:ffectivity! Trainings: Wenn ich dort die Tagesplanung durchnehme, meldet sich oft einige Tage später der eine oder andere Teilnehmer, dass sie sich neuerdings gehetzt fühlen.

Warum?

Weil sie sich morgens zuviel für den Tag vorgenommen haben.

Und so funktioniert der Mechanismus:

  • Zu große Ziele gesetzt und…
  • sofort unruhig gefühlt
  • dann durch den Tag gehetzt
  • möglicherweise auf Mitmenschen unwirsch reagiert, weil man ja keine Zeit hat
  • und abends frustriert auf den Tagesplan geschaut, weil man nur die Hälfte erreicht hat.
  • Resultat: Der Feierabend wird auch noch versalzen.

Hört sich fatal an. Ist auch fatal.

Kann aber schnell gelöst werden: Man nehme sich einfach nicht so viel vor.Stattdessen rate ich: Alles aufschreiben, was man tun will. Und einige wenige Dinge, die wichtig sind, verbindlich als Tagesziele festlegen. Das ist die Pflicht. Schafft man diese Ziele, hat man einen guten Job getan und darf in den verdienten Feierabend entschwinden.

Schafft man darüber hinaus noch mehr von den “To do’s”, dann hat man sogar die Kür absolviert. Aber das ist kein Muss. Sondern ein Kann.

Das ist also Martins erste Grundregel fürs Umsetzen: Weniger ist mehr. (Und alle, die mich kennen, wissen: Diese Weisheit habe ich mir mit Blut, Schweiß und Tränen erarbeitet).

Wenn es aber um Veränderungen geht, reicht das aber nicht.

Sie benötigen noch eine Handvoll von Erlebnissen.

Erfahrungen heilen!

Haben Sie Lust auf ein kleines Gedankenexperiment?

Lassen Sie uns für kurze Zeit in die Welt eines Schüchternen eintauchen.

Schüchternheit ist deswegen ein so hilfreiches Beispiel, weil wir alle in bestimmten Bereichen unseres Lebens “schüchtern” sind.Vielleicht wollen wir ein neues Hobby lernen, sind aber zu schüchtern, zu gehemmt, es wirklich anzugehen.Vielleicht sind wir im Privatleben “locker” – aber wenn es darum geht, beim Vorgesetzten eine Gehaltserhöhung zu erwirken, gehen wir mit gebremsten Schaum vor. Oder vielleicht preschen wir beruflich ohne weiteres nach vorne, bekommen aber privat auf einer Party den Mund nicht auf.

Sie wissen, was ich meine.

Wir sind alle sind bei irgendetwas irgendwie ein bisschen schüchtern.

(Hey Martin, das hast Du aber schön schöngeredet.)

Gut: Also wir stellen uns nun mal vor, wir wären schüchtern. Und die Folge davon: Wir haben nicht den Partner oder die Partnerin unseres Herzens gefunden.

Genau das aber ist ein Ziel, bei dem Sie eine Gänsehaut und ein Leuchten in den Augen bekommen. Motivierender geht es nicht.

Wenn — ja, wenn nicht diese Schüchternheit da wäre.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein schüchterner Mann (oder eine Frau, ganz egal, ich mach das jetzt mal von der männlichen Perspektive her, damit ich das gewisse Quentchen Authenzität wahren kann). Also, Sie sind schüchtern, Sie möchten Ihre Traumpartnerin kennenlernen, und Sie kriegen den Mund nicht auf.

Was passiert, wenn Sie jetzt losgehen und einige Frauen Ihrer Wahl ansprechen?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das ganze mit einer unangenehmen Bauchlandung endet, stimmts?

Denn wer schüchtern ist, leidet auch unter einem Erfahrungsmangel.Wie in aller Welt geht man vor?

Was sagt man?

Was könnten andere darauf antworten?

Und was tun, wenn die gar nicht erst antworten wollen?

Einem schüchternen Menschen können allein diese Gedanken schon Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Genauer gesagt: Es sind ja oft diese Gedankengänge, die den Schüchternen in sein Gefängnis sperren. (Dazu im nächsten Teil mehr).

Was also tun?

Üben.

Statt gleich das Länderspiel anzugehen, wäre es besser, hinten im Hof ein paar mal den Ball an die Wand zu kicken – und sich warm zu spielen.

Beispielsweise: Einfach mal ein paar Menschen (und wenn es einfacher zu Anfang ist: ein paar Männer) ansprechen und nach der Uhrzeit fragen.

Mag banal klingen.Ist es aber nicht, wenn Sie schüchtern sind.

Denn auch dieser kleine Schritt, kostet eine kleine Portion Überwindung.

Aber nur eine kleine.

Und genau das ist das Gute an der Sache.

Denn diese Aktion ist machbar und (!) trainiert zugleich.

Und darum geht es, wenn Veränderungen gelingen soll.

Jede Erfahrung, die der Schüchterne macht, kann ihn etwas lehren.

Zum Beispiel, dass es ganz einfach ist, jemanden anzusprechen.(Allein das ist schon Gold wert)

Oder dass es mehr nette Menschen gibt, als man gedacht hat.Und das man den einen oder anderen ungehobelten Typ auch verknusen kann.

Sobald das gut von der Hand geht, kann man das ganze etwas ausweiten.Zum Beispiel auf einer Party es zulassen, dass man angesprochen wird und (!) dass man ab und zu mal rumstottert oder keine ganz so gute Figur abgibt.

Gut möglich, dass wir als Schüchterne lernen, dass viele Menschen nette Strategien haben, so etwas zu überbrücken.

Mehr noch: Dass es viele gibt, die selbst auch bei irgendetwas irgendwie ein bisschen schüchtern sind, und die einen deswegen besonders sympathisch finden.Wer hätte das gedacht?

Schüchternheit kann Türen öffnen.

Sie sehen, worauf ich hinaus will: Wenn man losgeht, im Kleinen übt und sich dann Schritt für Schritt an die dicken Dinger wagt, erarbeitet sich ein ganzes Bündel von neuen Erfahrungen, die den Rücken stärken.

Und nun zur Praxis

Was wünschen Sie sich für Ihr Leben gern?
Was erzeugt bei Ihnen eine Gänsehaut? Das Leuchten in den Augen?

Notieren Sie es hier:

____________________________________________________

Gut.

Nächster Schritt

Was ist für Sie momentan, jetzt sofort, machbar?
Was können Sie dafür tun? Und wo ist die Grenze?

Am Beispiel des Schüchternen: Nach der Uhrzeit fragen, ist ok. Zu einem “Date” einladen, dagegen nicht. Noch nicht.

Oder Ihr Ziel lautet, dass Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder einem Kunden bessere Konditionen verhandeln möchten. Jetzt sofort in Verhandlungen zu gehen, trauen Sie sich nicht zu. Aber vielleicht ein paar Trockenübungen mit Freunden und Bekannten?

Oder: Sie sind in letzter Zeit schlecht gelaunt und Ihr Ziel lautet, ab jetzt wieder optimistisch zu sein. Das ist vielleicht kein besonders präzis definiertes Ziel. Aber vielleicht dennoch sehr attraktiv. Da Sie vielleicht einiges in letzter Zeit wegstecken mussten, trauen Sie sich noch keine Höhenflüge zu. Aber vielleicht können Sie sich etwas zum Ziel nehmen, das machbarer ist: Zum Beispiel, optimistisch zu sein, dass Sie sich einen schönen Abend machen können? Oder dass Sie sich etwas leckeres zu Essen machen können?

Falls Ihnen das zu klein vorkommt. Einverstanden: Was wäre etwas, bei dem Sie Ihren Optimismus gut trainieren können? Ob Sie ein Computerproblem lösen, den Staubsauger reparieren oder sich vornehmen, in den nächsten 14 Tagen zwei Kilo abzunehmen: Wählen Sie etwas, das Sie ein bisschen herausfordert.

Notieren Sie es hier Ihre nächste, konkrete Aktion:

____________________________________________________

Sehr gut.

Letzter Schritt:

Wann gehen Sie es an?
Mein Tipp: Heute noch.Also: Machen Sie es jetzt?

Ja?

Gut.

Nein?

Auch gut!

Denn nun wissen Sie, dass etwas nicht passt.

Erste Möglichkeit: Sie haben Einwände bezüglich Ihres Zieles. Ja, Sie würden gerne X erreichen. Aber…Erkennen können Sie Einwände an schlechten Gefühlen. Unbehaglichen Befindlichkeiten. Folgen Sie diesen wichtigen Hinweisen – und nutzen Sie die Methoden der Einwandsbehandlung, die ich im dritten Teil der “Coach-Dich-Selbst”-Saga dargelegt habe.

Wenn das Ziel aber für Sie grundsätzlich in Ordnung ist, dann ist die nächste konkrete Aktion (siehe oben), die Sie sich vorgenommen haben, zu groß.

Sie wissen ja: Kleckern. Nicht klotzen.

Machen Sie die Aktion kleiner.Machbarer.

Aber machen Sie noch heute etwas dafür.

Denn nur so können Sie die Ernte einfahren, die Ihnen Erich Kästner eingangs versprach.

Dass “Gutes” in Ihr Leben kommt.


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