James Cameron (Avatar) über Erfolg
Wieder was gelernt: Diesmal von James Cameron, seines Zeichens Regisseur von “Titanic” und “Avatar” – den beiden erfolgreichsten Filmen aller Zeiten (und der heute Nacht 3 Oscars gewonnen hat)…
In diesem Video (leider auf englisch) erzählt Cameron über seinen Lebensweg: Seine Faszination über Science Fiction und der endlosen Tiefe des Meers. Er schildert die Fantasiegeschichten, die er als Teeanager in seinem Kopf ausspielte – und später auf die Leinwand brachte.
Zum Beispiel sein Film “Abyss”, in dem er als erster überhaupt in der Filmgeschichte einen Computer generierten (CG) Charakter auftreten ließ. Der Film war finanziell kein großer Erfolg, aber der CG-Charakter faszinierte Menschen weltweit. Und so beschloss Cameron, diese Technologie voranzutreiben und erschuf in “Terminator 2″ einen Quecksilbermann – heute ein Filmklassiker.
Um weitere Grenzen des Möglichen zu durchbrechen, schrieb er ein Drehbuch zu einem Film: “Avatar”. So großartig er das Script fand, so ernüchternd war die Reaktion seiner Filmfirma: Unmöglich zu realisieren. Die Technologie für derartige Effekte gab es schlicht und ergreifend nicht.
Cameron legte das Drehbuch beiseite und entschied sich, einen Film über ein Schiff zu drehen, das im Laufe des Films untergeht.
“Ich erzählte dem Filmstudio, dass Titanic eine Romeo und Julia Geschichte sein würde”, so Cameron. Und er verkaufte ihnen, dass er für die Eröffnungssequenz Aufnahmen von der echten Titanic machen wolle. Ein Aufhänger für spätere Marketingkampagnen, so Cameron.
Aber in Wirklichkeit ging es Cameron um etwas ganz anderes: Der Film sollte ihm helfen, eine Traum zu erfüllen. Die Expedition in die Tiefe. Hinab zu dem vielleicht berühmtesten Wrack der Menschheitsgeschichte.
“Und siehe da”, so Cameron, “ein halbes Jahr später fand ich mich in den Untiefen wieder.”
Gollum
Nach dem phänomenalen Erfolg von Titanic verbrachte Cameron die folgenden Jahre mit weiteren Expeditionen, bis er eines Tages “Gollum” in dem Film “Herr der Ringe” sah.
Gollum war ein Computer generierter Charakter, der so “menschlich” wirkte, dass man ihm seine schiere Existenz aus Bits und Bytes kaum noch ansah.
Cameron griff den Ball auf und trieb diese Technologie mit dem Team von “Herr der Ringe” voran, brachte ein Jahrzehnt nach “Titanic” seinen Film “Avatar” in die Kinosäle – und erntete erneut einen Erfolg, der alles bisherige in den Schatten stellt.
Was hat ein solcher Mann zu sagen? Was kann man von ihm über Erfolg lernen?
“Nummer eins”, so Cameron (ab Minute 15.30), “Neugierde. Das ist ziemlich die stärkste Kraft, die Sie besitzen.”
Und dann: “Vorstellungskraft ist eine Stärke, die eine Fantasie Realität werden lässt.”
Ok, ok, höre ich Sie jetzt sagen. Sind das nicht die üblichen “The Secret” oder auch “Führungskräfteseminar-Sprechblasen”? Einer dieser typischen “Du musst nur dran glauben und Du schaffst es”- Sprüche?
Ja, ja: Stimmt!
Aber Cameron hat noch etwas mehr zu sagen: “Immer wieder mal kommen junge Filmemacher auf mich zu und bitten mich um einen Ratschlag. Und ich sage ihnen: Begrenz Dich nicht. Andere Leute werden Dich schon in Schach halten, also tu es Dir nicht selbst an. Wette nicht gegen Dich, sondern gehe Risiken ein.”
Zugegeben. Auch das ist noch ziemlich “Tschakka”.
Bleiben Sie bitte dennoch ein paar Sekunden am Ball.
Wir haben es gleich.
“Bei der NASA”, so Cameron, “gibt es den Spruch: Versagen ist keine Option. Aber Versagen muss eine Option sein. In der Kunst genauso wie in der Forschung. Weil man einen Vertrauensvorschuss gewährt, wenn man ein Risiko eingeht. Und kein bedeutendes Unternehmen, das auf etwas Neuem fußte, war risikolos. Sie müssen mit dem Risiko leben.”
Das ist interessant, finde ich.
“Avatar” ist ein so außergewöhnlich großer Erfolg. Und doch war die Möglichkeit des Scheiterns ebenso außergewöhnlich groß.
Zum einen musste die Filmtechnologie für Avatar in großen Teilen erst noch entwickelt werden. Tatsächlich dauerte es laut Cameron zwei Jahre (!!!!), bis er zum ersten Mal eine Computer generierte Aufnahme im Kasten hatte, die seinen Ansprüchen und Zielen genügte.
Zwei Jahre von Versuch und Irrtum, zwei Jahre voller Rückschläge, aufkeimenden Hoffnungen, Sackgassen, Erf0lgen und Flops bis zum ersten Durchbruch. Und von dort aus musste Cameron viele weitere Jahre investieren, bis der Film es auf die Leinwand schaffte.
Dann: Niemand weiß, was “Avatar” gekostet hat. Man vermutet zwischen 300 bis 500 Millionen US Dollar. Egal wie hoch die Summe auch gewesen sein mag: Es war Camerons Name, der damit verbunden war, und man hätte es ihm (vermutlich sogar zurecht) angerechnet, wenn der Film an der Kasse gescheitert wäre. Was für ein Scheitern wäre das gewesen? Der Mann, der mit “Titanic” den erfolgreichsten Film aller Zeiten geschafft hatte, wäre mit dem teuersten Film aller Zeiten abgestürzt. Ich habe keine Ahnung, wovor Sie so Bammel haben: Ich würde dabei ganz gewiss nachts an die Decke starren und mich fragen, ob ich noch auf der Spur bin.
Schließlich darf man bitte auch nicht vergessen, dass “Avatar” von drei Meter großen, blauen Wesen handelt. Nicht unbedingt die Sorte von Sujet, die Frauen, “Titanics” größter Umsatzträger, in die Kinos treibt.
Außerdem: ”Titanic”, “Herr der Ringe”, “Harry Potter” – all das sind erfolgreiche Geschichten gewesen, bevor sie jemand mit einer Kamera verfilmte. “Avatar” jedoch ist ein Geschichtenkosmos, von dem niemand bis dahin gehört hatte. Für eine Branche, die gerne auf Nummer Sicher geht, ein schwer zu kalkulierendes Risiko.
Die Chance, dass Cameron mit “Avatar” eine fatale Niederlage hätte erleiden können, war in der Tat sehr, sehr hoch. Tatsächlich waren die ersten Trailervorführungen ein Flop: Ein eigens weltweit organisierter “Avatar”-Tag, an dem man 10 Minuten des Films in 3-D zu sehen bekam, wurde durch sehr mittelmäßige Kritiken belohnt. Der Internet-Trailer für den Film wurde gar von vielen verspottet.
Wenn Cameron also sagt, dass jedes bedeutende Unternehmen ein Risiko in sich birgt, mit dem man leben muss, dann weiß er ziemlich genau, wovon er spricht.
Deshalb beeindruckt mich seine Aussage am Ende seiner Rede ganz besonders: “Bei allem, was Du tust, ist Versagen also eine Option. Aber Angst nicht.”
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