Warum Lenas Erfolg rockt!

6 Beiträge

Nun ist es amtlich: Nachdem sogar der notorisch griesgrämige Spiegel jubilierte (“Alle lieben lovely Lena”) und die ersten CDU-Politiker ein Bundestverdienstkreuz forderten, steht fest: Lena und Stefan Raab haben mehr als nur den ersten Platz in einem oft belächelten Schlagerwettbewerb gewonnen.

Aber was in aller Welt macht die Menschen an Lena an?

Klar: Wir Deutschen freuen uns über Platz eins.

Aber das erklärt wohl kaum, warum Dänemark, Estland, Spanien, die Slowakei, Lettland, Finnland, Norwegen, Schweden und die Schweiz volle Punktzahlen vergaben.

Lena macht halt gute Laune, könnte man nun anführen – was für sich gesehen schon großartig genug wäre.

Aber ich denke, da ist noch ein Quentchen mehr zu finden…

Fangen wir mal mit Stefan Raab an: Er gab gestern in einem Interview zum besten, dass Lena mit vermutlich jedem Lied hätte gewinnen können.

Ob das stimmt, lasse ich mal dahingestellt. Was er jedoch damit meinte, trifft sehr wohl ins Schwarze: Der Song ist gut, es ist jedoch die Leichtigkeit und Natürlichkeit von Lena, die ansteckt – und inspiriert, die Dinge ebenfalls etwas leichter und etwas lockerer zu nehmen.

Aber woher kommt diese Leichtigkeit? Dieser Charme? Dieser Esprit?

Schauen wir uns dazu mal das Umfeld an, in dem Lena groß geworden ist: Eine Castingshow – inszeniert von Stefan Raab, der schon zuvor einen Gegenentwurf zu “Deutschland sucht den Superstar” und Konsorten wagte.

Während “Deutschland such den Superstar”, kurz DSDS, Menschen darauf trimmt, einem bestimmten Superstar-Idol zu entsprechen, lautete Stefan Raabs Credo: SSDSDSSWEMUGABRTLAD“.

Genauer: „Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gern auch bei RTL auftreten darf“.

Zwar haben beide Castingshow-Konzepte gemeinsam, dass nur Talente sich durchsetzen können – aber wie mit den Gaben der Künstler und Künstlerinnen umgegangen wird, macht den Unterschied.

Statt in grelle Outfits gestreckt zu werden, um ein Image vorzumogeln, präsentieren sich die Künstler so, wie sie sind.

Lena bei spiegel.de:

SPIEGEL ONLINE: Sie machen, was Sie möchten?

Meyer-Landrut: Ja, sonst fühle ich mich nicht wohl. Ich bin ja kein Poser, zu posen finde ich total doof. Vor zwei Tagen, bei einer Party auf dem Windjammerschiff, da hab’ ich gedacht, jetzt machste mal einen Scherz und hab’ im Wind so die Arme wie in “Titanic” ausgebreitet, aber nicht realisiert, dass alle Fotografen zugucken – ich fand es nur lustig und übertrieben. Und plötzlich schreien alle, Lena, mach das noch mal, streck noch mal die Arme aus. Ich sag, nee, ich mach das doch nicht ernsthaft für euch, nur weil ihr das als Motiv ganz gut findet, und ich fühl mich dabei nicht wohl.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen, was Sie möchten?
Meyer-Landrut: Ja, sonst fühle ich mich nicht wohl. Ich bin ja kein Poser, zu posen finde ich total doof. Vor zwei Tagen, bei einer Party auf dem Windjammerschiff, da hab’ ich gedacht, jetzt machste mal einen Scherz und hab’ im Wind so die Arme wie in “Titanic” ausgebreitet, aber nicht realisiert, dass alle Fotografen zugucken – ich fand es nur lustig und übertrieben. Und plötzlich schreien alle, Lena, mach das noch mal, streck noch mal die Arme aus. Ich sag, nee, ich mach das doch nicht ernsthaft für euch, nur weil ihr das als Motiv ganz gut findet, und ich fühl mich dabei nicht wohl.

Statt also zu messen, inwiefern man sich einem Superstar-Idol anpasst, wird das genaue Gegenteil prämiert: Originalität. Zu sich stehen. Sich ausdrücken.

Darum darf Lena auch “Oi” singen, wenn da “I” im Songtext steht. Ihr Englisch, das bisher so manchen Linguisten in Schwermut versinken ließ (Spiegel: Dialekt-Desaster Lena…), wird nicht gerade gerückt, sondern zelebriert.

“Use your defaults, use your weaknesses”, soll die Grande Dame des Chansons, Edith Piaf, einmal gesagt haben: Nutze, was Du hast. Steh zu Deinen Schwächen.

Denn daraus entsteht eine Kraft, die all die Stars und Sternchen, die ihre Einzigartigkeit für die Droge Ruhm verscherbelt haben, so oft bitter vermissen.

Ja, nach außen hin strahlen sie: Allerdings angehübscht von Make-Up-Artists, körperlich optimiert von Schönheitschirurgen, ihre Stimme geglättet durch die technischen Finessen eines Hi-End Studios – und auf Bildern durch Photoshop aufpoliert, wie ein schönes Beispiel von Britney Spears zeigt: vorher und nachher.

Aber der Mensch mit all seinen Unebenheiten, Ecken und Kanten – der ist versteckt.

Nicht nur vor der Öffentlichkeit, die dem Idol (von griechisch eidolon, zu Deutsch: Götzenbild) zujubeln soll.

Sondern oft auch vor sich selbst: Die Geschichte ist voll von Stars, die sich selbst mit ihrem Scheinbild verwechselten – und sich so in launische Egoisten verwandelten, die mit sich und darum auch mit anderen nicht zurecht kamen. Wer diesen Deal letztlich nicht durchschaute, wer nicht merkte, was es kostet, wenn man “so sein, wie man wirklich ist” gegen den “Ruhm eines Stars” eintauscht, der bezahlte am Ende einen faustischen Preis: Isolation, Zusammenbrüche, Drogenkonsum und so weiter.

Man denke nur an Elvis.

Oder an Michael Jackson.

Beide gestorben an einem Übermaß von Betäubungsmitteln.

Was sie genau betäuben wollten, weiß ich nicht. Aber dass es etwas gab, das kaum auszuhalten war, trotz märchenhaften Reichtums und millionenfacher Bewunderung, dürfte außer Frage stehen.

Und nun Schnitt zurück zu: Lena.

Da ist also eine Castingshow, die sich dem Deal verweigert, und binnen weniger Monate erblüht in diesem seltenem Biotop eine Neunzehnjährige, die zunächst Deutschland und dann Europa im Sturm erobert.

Ein Sommermärchen, wie es viele liebevoll – aber am Thema vorbei – titulieren.

Denn Lena und Stefan Raab haben einen interessanten Beweis angetreten.

Wofür?

Man mochte an DSDS bekritteln, was man wollte: Die Show ist erfolgreich. Sehr sogar, wenn man bedenkt, dass sie weltweit lizenziert ist (In den USA läuft sie – Nomen est omen – als “American Idol”) Und es war dieser Erfolg, der wie viele andere Castingshows die altbekannte Idee zementierte, dass man eben nur durch den Selbst-Verkauf so richtig viel Geld verdienen kann.

Eine Ansicht, die Künstler entweder in den Kommerz oder oft genug auch in die Armut getrieben hat: Bloß nicht die eigene Integrität für den schnöden Mammon opfern.

Dieses drastische Entweder/Oder, Seelenverkauf oder Bettelstab, haben Lena und Raab ausgerechnet in der Glitzerwelt des Grand Prix aus den Angeln gehoben.

Und das ist, so finde ich, durchaus ein Bundestverdienstkreuz wert.

Oder?


Lade Dir jetzt eine kostenlose Audio-Meditation herunter, mit der Du innerliche Blockaden, sowie negative Gefühle aller Art sanft und wirksam mildern und auflösen kannst.




  1. Ok.

    Und weil es so schön ist, hier noch ein Nachtrag aus dem oben zitierten Spiegelinterview, dessen letztes Wörtchen man sich durchaus auf der Zunge zergehen lassen darf:

    SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen die Woche in Oslo offenbar nicht als Stress empfunden zu haben?

    Meyer-Landrut: Doch, das ist auf jeden Fall Stress, für uns alle. Jeder ist hier gefordert, mehr gefordert als sonst. Aber es ist auf jeden Fall guter Stress. Mir gefällt’s.

    SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, um Stress abzuwehren?

    Meyer-Landrut: Mich nicht sehr um ihn kümmern. Einfach nicht so viele Meinungen zulassen.

    SPIEGEL ONLINE: Sie können abschalten?

    Meyer-Landrut: Ja, auf jeden Fall.

    SPIEGEL ONLINE: Mit Musikhören?

    Meyer-Landrut: Mit einfach nur Sein.

    • Stoikre sagt:

      Martin! Genial! Juhu, die Welt wird doch besser :) Lena! Die Friedenskämpfering!

  2. Stefan Rick sagt:

    Guten Morgen, Martin!

    Ja, einverstanden, Natürlichkeit ist (fast) allemal besser als Stromlinienform. Ein gewisses Maß an Selbstrefexion darf aber trotzdem dabei sein. Einfach nur zu sagen “Ich find mich geil, auch wenn alle glauben, ich bin ein Idiot” ist zu wenig. Erinnerst Du dich zum Beispiel an Daniel Küblböck?! Nein, ich will Lena nicht mit ihm vergleichen. Ich finde Lena ungleich reifer und bei aller Unbeschwertheit vernünftiger, um nicht zu sagen “weiser”.

    Was ich damit sagen will: Zwischen den Extremen der Stromlinienform und der eigenen Form liegt ein schmaler Grad des Glücks – und wie in Lenas Fall des Erfolgs.

    Viele Grüße

    Stefan Rick

  3. Mich fasziniert bei diesem 19jährigen Mädchen, dass sie offensichtlich einen spirituellen Hintergrund hat, der sie leitet und ihr Kraft gibt.
    Und natürlich ihre Natürlichkeit – waren wir das nicht alle in dem Alter? Offensichtlich eine sorglose behütete Kindheit hinter sich und eine finanzielle gesicherte Zukunft vor sich. N bißchen crazy und ein bißchen schräg – schön verrückt! Hätte gerne sone Schwiegertochter.
    Ich wünsche ihr alles Liebe und Gute, sie erfreut mich einfach, wenn ich sie sehe. Es gibt also doch noch lustige Mädchen aus dem bürgerlichen Lager, die das Leben lieben und genießen und dabei liebenswert bleiben.

  4. Stoikre sagt:

    Bitte! “einfach nur Sein.” Und nun fragt Euch bitte warum Meditation so ein Erfolg sein kann. :) Lena’s Antwort ist ja faszinierend. Dies hören/lese Ich das erste Mal, seit Ich die Kraft der Gegenwart entdeckt habe bzw. die Bedeutung von “einfach nur sein”, heißt wahrnehmen, fühlen, was ist. Ohne zu denken. Durch Wahrnehmung. :) hehe, toll.

Beitrag schreiben