Wie kann man den Kontakt zur “inneren Stimme” halten?

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Nachdem ich in einem separaten Artikel dargelegt habe, wie man überhaupt den Kontakt zur “inneren Stimme”, zur Intuition, zum Bauchgefühl herstellen kann, geht es mir heute darum, wie man den Draht dauerhaft hält.

Ein Zuschauer hatte michvor Kurzem angeschrieben, weil er unter einem negativem Empfinden litt, “das ich besonders spüre, wenn kein Kontakt zwischen Körper und inneren Stimme da ist, ich sie also nicht wahrnehme. Gut dass das negative Empfinden mir sagt, dass ich meine innere Stimme nicht genug beachte. Das ist ja ok, jedoch bestimmt dieses Empfinden gefühlte 4/5 meines Lebens. Ich stelle mir Fragen wie….Wie lerne ich den Kontakt zur inneren Stimme herzustelllen? Und zu halten?”

Am besten über Probleme.

Richtig gelesen.

Herausforderungen sind meines Erachtens der effektivste Weg, um den Kontakt nach Innen am Laufen zu halten. Nicht der schönste. Auch nicht der beste. Aber der wirksamste.

Weil unser Gehirn so tickt.

Unser Dreipfunduniversum unterhalb unserer Schädeldecke ist permanent damit beschäftigt, auf tatsächliche oder potenzielle Probleme zu achten – und sich Gegenmaßnahmen einfallen zu lassen. Habe ich das Teewasser ausgestellt? Wollte ich vorhin nicht jemand anrufen? Habe ich an alles für Morgen gedacht? Was war eigentlich gestern mit Frau Meier los, als wir telefoniert haben? Apropos: Wann habe ich noch mal den Termin mit dem Mann von der Versicherung? Und warum habe ich gerade diese Tasse in der Hand? Ach, ja, das Wasser…

So oder ähnlich dürfte sich der innere Dialog gerade jetzt in diesem Moment in Millionen oder gar Milliarden von Köpfen abspielen: Ein permanenter Strom von Gedanken und den damit verbundenen Gefühlen, der uns schnell in Beschlag nehmen kann.

Daran ist nichts ehrenrühriges. Vermutlich hat uns das permanente Scannen – evolutionärgeschichtlich betrachtet – Kopf und Kragen gerettet. Wir würden es vermutlich kaum lebend bis in die Innenstadt schaffen, wenn nicht etwas in uns beständig Obacht hält.

Die Kehrseite dieser großartigen Funktionsmechanik: Wir können uns im Alltag verlieren, den Blick nur noch auf das geheftet, was gerade geschieht beziehungsweise vor oder hinter uns liegt. Die Symptome des Verlustes fallen stets gleich aus: Nervosität. Hetze. Druck. Ein Getriebensein aus Verpflichtungen, Terminen und Ansprüchen.

Genau der richtige Augenblick, um nach Innen zu gehen.

Aber wie daran denken, wenn wir so sehr verloren sind im Wust des Alltagsdschungels?

In dem wir es uns zur Gewohnheit machen, Probleme nicht nur mit dem Verstand, sondern mit Herz und Bauch zu lösen.

Bevor ich mich als Coach und Trainer 2000 komplett selbstständig gemacht habe, war ich einige Jahre parallel mit einer Internetagentur unterwegs, die ich gemeinsam mit einer Partnerin gegründet hatte. Ein ideales Spielfeld, um meine Technologiekenntnisse auszubauen. Und um kreativ tätig zu sein. Wann immer ich ein Konzept für einen Kunden schrieb, ging ich nicht nur logisch an die Sache. Sondern ich befragte immer auch meine Intuition. (Mehr zum Thema Kontaktaufnahme.) In vielen – nicht allen! – Fällen stieß ich auf eine interessante Idee, die für den Dialog mit unseren Kunden nützlich war. Mal wurde die Idee aufgegriffen, mal diente sie als Anregung, an das Websiteprojekt noch mal von einer anderen Perspektive aus heranzugehen. Mal zündete sie auch gar nicht.

Aber das Ganze war für mich mit genug fetter Beute verbunden, so dass ich es mir angewöhnte, nicht nur in stillen Stunden den Weg nach Innen zu suchen – sondern auch “live” bei Präsentationen und Kundengesprächen. Wenn wir zum Beispiel erste Ideen und Konzepte entwickeln sollten, ging ich nach Innen, tat so, als ob ich einen Draht zu meiner Intuition herstelle (richtig gehend gefühlt, übrigens, so als ob ich ein unsichtbares Seil nach oben schwingen würde), und stellte meine Frage: “Was wäre eine richtig gute Idee für diesen Kunden hier?”

Danach blendete ich sofort wieder ins Gespräch zurück. Nicht nur, weil ich aufmerksam am Ball bleiben wollte – sondern auch um Kopfgeburten zu umgehen. Meist dauerte es ein paar Minuten, bis mich plötzlich eine Idee antickte, mal als Gefühl, mal als Bild, mal als Wortfetzen. Anfangs ging ich damit noch zögerlich um, aber mit der Zeit lernte ich, dass die Ideen in der Regel etwas taugten, und verließ mich immer mehr auf meine Eingaben.

Dieser beinahe tägliche Einsatz schulte meine Intuition so ganz nebenbei. Und diese Schulungen kurierten mich von einem interessanten Problem: Zwar hatte ich auch in den Jahren zuvor immer wieder Phasen, in denen ich stark intuitiv arbeitete. Zum Beispiel, wenn ich geschrieben habe (diverse Kurzgeschichten, darunter auch ein Hörspiel für den RIAS Berlin) – aber die Kreativität war dabei für mich stets ein unberechenbares Gut gewesen. Mal küsste mich die Muse, und ich konnte stundenlang beseelt schreiben. Oft genug ließ sie mich auch im Stich, vor einem weißen Bildschirm verharrend – ohne den geringsten Schimmer, was tippen.

Diese scheinbare Unzuverlässigkeit machte mich ganz närrisch. Was war von einer Gabe zu halten, die so launenhaft daherkam, dass mit ihr einfach nicht zu rechnen war?

Das alles änderte sich erst, als ich quasi täglich meine Intuition anzapfte, um Allerweltsprobleme zu lösen. Wie gesagt, nicht jeder Einfall verfrachtete Kunden und Freunde in Zustände von Ekstase und Begeisterung – aber unterm Strich war vieles dabei, das zumindest vom Ansatz her etwas taugte.

Das galt nicht nur für unsere Kundenprojekte. Sondern auch für meine Coachings. Ich verließ immer häufiger den vorgezeichneten Trampelpfad von Techniken und Methoden, die ich in den Ausbildungen gelernt hatte – und ließ mich auf intuitive Vorschläge ein. Auch hier galt: Nicht jede Intervention funktioniert. Nicht jede Idee fällt auch fruchtbaren Boden. Aber je geübter ich im Umgang mit dem Inneren wurde, desto reicher wurde die Ernte.

Heute ist es so, dass ich all diese schönen Einsichten vor allem dann vergesse, wenn ich sie am dringendsten benötige: Wenn ich im Problemdenken kleben bleibe.

Ja, das passiert mir auch heute noch.

Und das Fatale ist, dass in solchen Zuständen der Kopf wie vernagelt ist. Für Intuitionen gilt dann: “Eintritt verboten.”

Ich wünschte manchmal, dass das anders wäre. Aber ich glaube, das Wesen von Problemen ist, dass sie als etwas erscheinen, das eben nicht so ohne weiteres lösbar ist. Und das wiederum bringt den Verstand in Wallung. Statt die Intuition zu befragen, spiele ich dann im Kopf Ping-Pong: Meist ohne greifbares Ergebnis.

Aber irgendwann, fragen Sie mich bitte nicht wann genau oder warum überhaupt, irgendwann meldet sich inmitten des mentalen Stimmengewirres etwas Dezentes: “Mhm, Martin, Du hattest doch da noch was in Deiner Trickkiste… vielleicht schaust Du mal in Deinen Blog?”

Und siehe da: Ich kann wieder mit meinem Inneren online gehen.

Das bringt mich an das Anfangszitat zurück: “Gut dass das negative Empfinden mir sagt,dass ich meine innere Stimme nicht genug beachte.” hatte mir der Zuschauer geschrieben.” Das ist ja ok, jedoch bestimmt dieses Empfinden gefühlte 4/5 meines Lebens.”

Darum möchte ich Ihnen zurufen: Grämen Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich das nächste Mal beim Grübeln erwischen.

Dieses Aufwachen, diese plötzliche Erkenntnis stammt genau aus der Quelle, die den sprichwörtlichen Löffel Sahne mehr zu bieten hat.

Vertreten Sie sich dann am besten die Beine.

Gewinnen Sie Abstand.

Und stellen Sie sich vor, Sie gehen innerlich online.

Genau darauf hat das Innere ja die ganze Zeit gewartet, als es mit dem Schmerz an Ihre Pforte geklopft hat.

Nehmen Sie sich einen Zettel.

Und schreiben Sie drauf los.

Alles was Ihnen einfällt.

Früher oder später kommt ein: Bingo!

Und der Schmerz ist weg.

Versprochen.


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