Wie man Existenzängste überwinden kann

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Karin nahm an meiner allersten “Coach Your Self” Webbie teil, und Ihr Thema lautete: Existenzangst.

Wir benutzten für das Coaching die EGON-Technik, und um das Ergebnis einfach mal vorwegzunehmen: “Ich habe heute Nacht”, schrieb Sie mir einen Tag später, “wieder seit einiger Zeit tief und ruhig durchgeschlafen, ohne zu bestimmten Zeiten aufzuwachen und mich mit meiner vergangenen Existenzangst zu beschäftigen.” Und dann einige weitere Tage später: “Seit Dienstag Abend ist der Stöpsel raus! Ich kann es kaum beschreiben, aber ich fühle mich wie ein neuer Mensch, endlich der der ich schon immer sein wollte! Seit Mittwoch früh quasi klappt alles nach Plan und Wunsch und…ich habe endlich wieder richtige Wünsche, Ziele und Absichten! Dieses miese Gefühl ist einfach weg, weg, weg!”

Genug Vorspann: hier ist ein Rohschnitt des Coachings – ich habe alles so gelassen, wie es war…

Sie können wie gesagt die Unterlagen zu EGON kostenlos herunterladen. Dennoch erst ein paar kurze Anmerkungen, wie die Technik funktioniert:

So nutzen Sie EGON zum Abbau von Existenzangst und anderen negativen Gefühlen

  • EGON folgt einem einfachen Ablauf, mit dem man sich schrittweise von nagenden Gefühlen und Gedanken befreien kann.
  • E” wie Emotionen: Weil unsere Gefühle gerade bei schwierigen Themen wie zum Beispiel Existenzangst viel zu stark sind, um uns “intellektuell” damit auseinanderzusetzen, startet EGON mit vier einfachen Fragen, um die negativen Emotionen loszulassen (die Fragen basieren übrigens auf der SEDONA-Methode von Hale Dwoskin)
  • G” wie Gedanken: Sobald die Emotionen aufgelöst sind, befassen wir uns mit dem oder den Gedanken, die die Gefühle auslösen. Karins Existenzangst wurde von dem Gedanken hervorgerufen, dass andere viel besser sind als sie. Wenn man das wirklich glaubt, zweifelt man sich und an dem, was man tun und erreichen kann. Um die Existenzangst zu verändern, muss dieser Gedanke aufgelöst werden.
  • O” wie “Option” oder “Orientierung”: An Stelle des alten Gedanken sollten wir einen neuen Gedanken pflanzen, der für uns hilfreicher ist als die alten Überzeugungen. Karins Existenzangst fußte letztendlich darauf, dass sie – warum auch immer – der Meinung war, dass sie nicht kompetent oder liebenswert ist. Diese Gedanken haben jedoch bei aller Negativität auch eine “positive Absicht”, wie wir im Prozess noch sehen werden.
  • N” wie “Neu implementieren”: Wieder verwenden wir eine Fragetechnik, um den neuen Gedanken zu etablieren. Das Entscheidende dabei: Wir lösen nicht nur die negativen Gedanken und Gefühle schrittweise auf – sondern auch die neuen Gedanken und Gefühle werden schrittweise eingeführt und aufgebaut. Dadurch kann sich das Gehirn langsam aber sicher an das Neue gewöhnen.

Tipp: Wenn Sie dem Coaching zuhören, arbeiten Sie ruhig mit einer eigenen Herauforderung. Welche negativen Gedanken und Gefühle möchten Sie verändern?

Anmerkungen zum Coaching

2.39 Minute:  Ich führe das “E” von EGON durch – also der Umgang mit Ihren Emotionen. Dazu stelle ich ihr vier Fragen. Karin “denkt” zuviel über die Antworten nach, aber der Clou ist bei den Fragen: Nicht nachdenken, einfach antworten. Warum? Weil die Fragen selbst etwas bewirken. Um sie zu verstehen, beginnen wir Dinge zu tun, die dazu führen, dass sich die Gefühle anfangen zu ändern.

8.40 Minute: Wir diskutieren, dass Gefühle mit chemischen Stoffen, Hormonen, zu tun haben, die uns in Wallung bringen – und die etwas Zeit brauchen, um zu vergehen, weil sich erst die Hormone verflüchtigen müssen. Darum hat es keinen Sinn, wenn man die Gefühle wegleugnet oder unter den Tisch kehrt. Im Gegenteil: Gefühle kann man erst loslassen, in dem man sie zulässt.

14.19 Minute: Nach dem Karin ihre negativen Gefühle aufgelöst hat, weise ich darauf hin, dass es durchaus möglich ist, dass die alten Gefühle noch einmal zurück kehren können. Oft sind Gedanken und Gefühle in unser Gehirn “eingeprägt”, bestehen also dort als eine Art Muster, das nicht immer sofort auf einen Schlag verändert werden kann. Wenn aber die alten Gefühle sich erneut zeigen, macht man einfach eine neue EGON Runde, um es weiter zu mildern oder gar ganz aufzugeben.

Den stiftenden Gedanken hinter der Existenzangst aufdecken

15.20 – 16.33 Minute: Jetzt geht es weiter zu den Gedanken, die Karins Existenzangst auslösen. In diesem Fall ist es zunächst: “Die anderen sind besser als ich”. Das ist kein schöner Gedanke. Im Gegenteil. Aber der Gedanke ist nicht so negativ, dass er eine regelrechte Existenzangst auslösen kann. Es muss noch etwas Anderes geben. Deswegen hake ich bei Karin nach. In der Sequenz erleben Sie, wie Karin immer tiefer hinabtaucht, bis sie zu einem Kerngedanken stößt: “Weil ich nicht gut genug ist, habe ich eigentlich keine Existenzberechtigung.” Und genau darum tauchte in Ihr die Existenzangst auf. Wenn wir glauben, dass wir ein bestimmtes Leistungsniveau erreichen müssen, um unserer Existenz Berechtigung zu verleihen, dann kratzt das auf tiefster Ebene an unserem Selbstwertgefühl. Karin steht mit diesem Gedanken nicht alleine da. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die vor allem eines tut: Sich zu vergleichen. Bin ich gut genug? Wie schneide ich im Vergleich zu anderen ab? Könnte es nicht sein, dass die anderen klüger, schöner oder kreativer sind als ich? So lobenswert es auch sein mag, dass man gut “performt” – niemand kann immer der oder die Beste, Schönste, Klügste sein. Und darum nagt in uns allen leider der Zweifel. Mit der Folge, dass Existenzangst auftritt.

17.00 Minute: Ich frage in die Runde, wer diese Gedanken kennt. Und die meisten melden sich. Die Wahrheit ist: Wir alle kennen so etwas. Zwanzig Jahre Erfahrung als Coach haben mir das – leider – gezeigt. Und darum ist es klasse, dass Karin so mutig ist, zu ihren Gedanken und Gefühlen zu stehen.

Motivation aufbauen, um die Existenzangst abzulegen

20.00 Minute: Als erstes bitte ich Karin, sich darüber im Klaren zu werden, dass der negative Gedanke “Weil ich nicht gut genug ist, habe ich eigentlich keine Existenzberechtigung” zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Zu denken, man ist nicht gut genug, schwächt einen, was wiederum dazu führt, dass man nicht mit voller Kraft dabei ist. Es ist wichtig, die Konsequenzen der negativen Denke vor Augen zu haben, weil man sonst oft nicht bereit oder in der Lage ist, die gewohnten Muster abzulegen.

21.12 Minute: Karin beginnt nun, gute Gründe zu finden, warum es besser ist, anders zu denken und zu fühlen. Die brauchen wir, denn sonst wird die Veränderung später nicht greifen.

Die Existenzangst “vergessen”

22.26 Minute: An dieser Stelle benutze ich eine neue Fragetechnik, die das Gehirn dazu auffordert, das alte Muster aufzulösen. Schon der erste Durchgang zeigt erste Ergebnisse. Aber es handelt sich hier um ein stark eingefahrenes Muster, dass Karin nicht sofort vollständig loslassen kann.

Die Vorteile der Existenzangst

25 Minute: Während Karin die alten Gedanken Schritt für Schritt los wird, prüfe ich, welche Vorteile die Existenzangst hat. Richtig gelesen. So negativ das Gefühl auch sein mag – es hat seine Vorteile. In Karins Fall: Menschen geben einem mehr Zuwendung. Wenn es uns schlecht geht, nehmen uns die anderen eher mal in den Arm. Das Problem dabei: Wenn Karin ihre Existenzangst auflöst, was passiert dann mit den Streicheleinheiten? Wenn die Veränderung funktionieren soll, müssen wir Wege finden, wie wir die alten Vorteile mindestens genau so gut, wenn nicht sogar noch besser erreichen.

29 Minute: Karins stößt auf einen weiteren Verursacher ihrer Existenzangst: Der Wunsch nach Anerkennung durch andere. Wir alle haben diesen Wunsch. Wir alle brauchen Anerkennung. Aber wir bekommen sie nicht immer. Und das macht das Leben manchmal so verdammt schwer. Mehr noch: Genau das kann Sorge und Zweifel und eben auch Existenzangst auslösen. Denn Liebe und Anerkennung durch andere ist und bleibt ein unzuverlässiges Gut. Mal sind die anderen gut drauf, und mal halt nicht. Mal bekommen wir, was wir brauchen, und es geht uns gut. Aber sobald sich das Fähnlein im Winde dreht (der andere hat sich gerade geärgert oder ist frustriert), hängen wir in den Seilen. Diese Form der Abhängigkeit von Umständen, über die wir keine Kontrolle haben, kann im wahrsten Sinne des Wortes Existenzangst auslösen. Die Frage jedoch lautet: Warum brauchen wir die Bestätigung von Außen? Antwort: Weil wir uns selbst diese Anerkennung (noch) verweigern. So auch Karin. Und genau das müssen wir im Folgenden ändern.

Neue Optionen anstelle der alten Existenzangst finden

Existenzangst loslassen31.20 Minute: Ich beginne nun, mit Karin einen neuen Gedanken zu finden, der die Vorteile des Alten berücksichtigt (Liebe, Streicheleinheiten etc.), und zugleich in eine frische, lebens- und liebenswerte Zukunft führt.

38.30 Minute: Karin beginnt erste, neue Gedanken zu entwickeln. Dennoch fehlt meines Erachtens etwas Entscheidendes: Dass sie sich selbst liebenswert findet. Karin kann damit erst nicht so recht etwas anfangen: Wer lieb ist, kommt ihr eher als “Dummchen” vor. Und damit sind wir zum eigentlichen “Problem” vorgestoßen: In Karins Weltsicht (und nicht nur in ihrer) ist das Leben von einem Konkurrenzkampf bestimmt, in dem man mit “lieb sein” keinen Blumentopf gewinnen kann. Also treibt sie sich an. Also kann sie sich (noch) nicht als liebenwert erleben.

Den neuen Gedanken einpflanzen

44.20 Minute: Karin beginnt nun, den neuen Gedanken – langsam – im Inneren zu implementieren. Da es sich um einen für sie fundamental neuen Gedanken handelt, braucht es etwas Zeit. Das ist normal. Deswegen gehe ich auch hier schrittweise vor. Karin muss sich ja erst an den neuen Gedanken gewöhnen.

57 Minute: Karin geht durch einen fundamentalen Wechsel, sie zittert am ganzen Körper, ihre Gedanken und Gefühle stellen sich auf vielen Ebenen um. Aber kurz darauf hat sie den Wechsel vollzogen, und sie hat Distanz zu der Existenzangst gewonnen. Diese Nacht wird sie zum ersten Mal seit längerem wieder durchschlafen können.

Wichtig zum Abschluss: EGON taugt nicht nur für den Abbau von Existenzangst – sondern auch für alle anderen negativen Gedanken und Gefühle, die wir tagaus und tagein hegen.


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  1. Ein Teilnehmer schrieb mir heute:

    “Hallo Martin,

    ich habe dein Coaching zum Thema Existenzängste gehört. Es war auch für mich sehr interessant! Besonders, da es auch ein Punkt ist, der mich momentan sehr beschäftigt.

    Als du Karin mit EGON durch das Thema geführt hast, ist mir aufgefallen, dass ich:

    - Probleme damit habe, das Gefühl loszulassen. Doch das hat sich etwas erleichtert.

    - was aber gar nicht ging: den Gedanken vergessen! Da hat es in mir sofort geschrien „Nein! Geht nicht! Ich will mich nicht schon wieder wegdrücken lassen“ und ein heftiges Gefühl von Ablehnung kam auf. Und das hat nicht nachgelassen, bzw ist auch nicht leiser geworden…”

    Bei EGON geht es nicht darum, etwas wegzudrücken oder zu verdrängen. Sondern loszulassen, in dem man es zulässt.

    Dabei ist es wichtig, zu erkennen, was die einzelnen Anteile unseres Wesens Gutes für uns wollen. Mein Tipp: Frag die Stimme, was sie Dir gerne mitteilen will. Und was Sie für Dich Gutes sicher stellen will.

    Siehe auch
    http://blog.coach-your-self.tv/index.php/2009/08/31/coach-your-self/den-inneren-kompass-finden/ (Abschnitt Kernintentionen)

    ;-)

    Martin

  2. Stephanie sagt:

    WOW!

    Ich bin grad ziemlich aufgewühlt weil genau DAS auch mein Thema ist, (fast hätte ich war geschrieben) und ich quasi den Weg grad komplett mitgegangen bin soweit das auf diese Art geht. An der Stelle mit der Selbstliebe bzw. der fehlenden kam mir plötzlich das Heulen *ups* und da war mir klar das ich da auf den Punkt gestossen bin.
    Zufällig gab es vor 2 Tagen schon so einen Moment wo ich mich fragte ob die Liebe und fast ständige aufmerksamkeit die ich von meinem Partner “einfordere” nicht doch zuviel verlangt ist und das dieses HABEN wollen so groß ist weil ich mir diese Liebe selbst nicht geben kann. Er gibt mir so viel Liebe und ich bin wie ein großes ,schwarzes Loch was immer noch mehr braucht. Der Gedanke war nur iritierend weil ich eig. immer das Gefühl hatte mich zu mögen aber ich glaube das hab ich mir eingeredet bzw. war eine falsche Eitelkeit, sonst wäre ich ja auch nicht immer so unsicher…
    Jedenfalls hat sich meine leise Vermutung die bereits in mir keimte durch das teilhaben an Karins Prozess bestätigt, er wurde ,hoffe das hört sich nicht blöd an, irgendwie zu meinem , zwischendurch war es bissel grusselig weil alles so passte, damit hatte ich ja nicht gerechnet. Aber das ist natürlich klasse und eine große Chance fü r mich, also danke ich euch BEIDEN sehr dafür!!

    Noch eine Frage: Herr Weiss kann man diese Fragen auch quasi sich selbst stellen oder muss es immer einen coatch geben?

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