80.000 Schulden! Wo ist mein Ruf?

0 Beiträge

Am Wochenende schrieb mir ein Mann (Name spielt keine Rolle) eine Mail, die mich sehr berührt hat.

Kurzfassung: Bis 2007 leitete er ein Unternehmen mit 8 Mitarbeitern und erzielte einen stattlichen Umsatz.

“Dann beschäftigte ich mich vor allem aus beruflichen Gründen”, so schrieb er, “mit NLP, Psychologie, The Secret und noch so allerlei anderen Sachen, besuchte Seminare von “Liebe und Licht”, und halte nach wie vor sehr viel von Hans Peter Zimmermann und dessen I-Site hpz.com, der sich mit Hypnosetherapien und vor allem der Auflösung von psychologischen Blockaden beschäftigt. Seit ca 1 1/2 Jahren nun hat sich (immerhin nach 42 Lebensjahren) mein Weltbild, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt hatte komplett in Luft aufgelöst. Ich weiß heute, dass ich mehr bin als meine eigene Ich-Konstruktion, meine Mind Map und meine “Seele” einen anderen Weg sucht, als mein Kopf.”

So wichtig diese Erkenntnisse auch waren: “Ich habe mit meiner Firma einen Schuldenberg von 80.000 Euro hinterlassen und es gäbe wirklich nichts “besseres”, wenn ich einen Job mache, der so viel “einbringt”, dass ich meine Schulden begleichen kann und wieder “gut” leben kann!”

Aber: “Auf der anderen Seite fragt sich meine Seele: Macht es denn überhaupt Sinn, wieder das gleiche zu tun, was ich bisher gemacht habe (damit meine ich nicht denselben Beruf…) und so zu tun, als hätte ich bisher NICHTS gelernt. Unser gesamtes Geldsystem ist wie ein Hamsterrad – man dreht sich mit ihm und merkt gar nicht, wie man sich im Kreis dreht! “

Und abschließend die Frage: “Vielleicht löst sich das Geldproblem und alle anderen Problemen wie von selbst, wenn ich weiter nach mir suche?? Da ich ein analytisch denkender Mensch bin (Mathe und Physik Leistungskurse im Abi und BWL Studium…), fällt es mir WIRKLICH schwer, auf etwas zu vertrauen (nämlich sich auf das Abenteuer “finde mich selbst” zu verlassen), dass zunächst augenscheinlich nicht meine irdischen Probleme lösen kann.”

Eine berechtigte Frage, zu der ich folgendes beitragen möchte…

Lieber Mailschreiber,

das, was Ihnen da passiert ist, nennt man heute “Midlifecrisise”; in der Mythologie jedoch hat diese Phase einen klangvolleren Namen: “Nachtmeerfahrt”.

Es ist etwas, das die meisten Menschen in der Zeit zwischen 40 und 50 in der einen oder anderen Form erleben, wobei die Art und Weise, wie das vonstatten geht, höchst unterschiedlich ausfallen kann.

Diese Phase ist vergleichbar mit der Pubertät, also wenn wir vom Kind zum Jugendlichen und dann zum Erwachsenen heranreifen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen in dieser Phase ergangen ist, aber für mich war das eine Zeit, in der sich extrem viel verändert hat: Die körperlichen Veränderungen, die Sexualität, das Abnabeln vom Elternhaus (mit all seinen Streitereien und Problemen), die Suche nach einer neuen Identität in der Clique – für mich was das eine ebenso heftige, schöne, schmerzhafte, vor allem aber ganz schön verwirrende Zeit.

Danach finden die meisten von uns ihren Platz im Leben, einen Beruf, einen festen Lebenspartner (oder -partnerin), verdienen Geld, gründen eine Familie und so weiter.

Diese Phase ist wichtig, weil wir so lernen, mit beiden Beinen im Leben zu stehen – die wichtigste Voraussetzung für eine weitere Veränderung, die uns mit ca. 40 – 50 Jahren erwartet. Während wir vorher meist irgendetwas “da draußen” erledigt hatten, geht nun die Reise nach Innen.

Anfangs zeigt sich dieser Wachstumsprozess durch Gedanken, dass das noch nicht alles gewesen sein kann. Geld, Erfolg, Status, Besitz, das ist alles gut und schön. Aber es erfüllt einen nicht mehr richtig.

Diese Gedanken wollen uns dazu einladen, den Fokus vom Außen abzuwenden und aufs Innere zu richten, um herauszufinden, was wir wirklich wollen. Es geht nicht mehr darum, eine Rolle da draußen zu erfüllen, sondern zum Ausdruck zu bringen, wer wir innerlich wirklich sind.

In alten archaischen Gesellschaftsformen wie bspw. bei den Indianern gibt es dafür regelrechte Rituale, Inititationen, die diesen natürlichen Rhytmen und Wachstumsprozessen einen Rahmen, einen Bezugspunkt geben. Das ist in unserer westlichen Gesellschaft verloren gegangen und wird halt durch Angebote wie “The Secret” und andere ersetzt (auch mein Seminar Quest will diese Lücke füllen).

Nun ist das Problem, dass dieser Wechsel in eine neue Wachstumsphase genau so verwirrend ist wie die Pubertät: Wir haben immer geglaubt zu wissen, wer wir sind, und nun entdecken wir, dass das Konzept vom Ich nicht mehr stimmt. Genau so wie Sie schreiben: Ich weiß heute, dass ich mehr bin als meine eigene Ich-Konstruktion, meine Mind Map und meine “Seele” einen anderen Weg sucht, als mein Kopf.”

Für manche ist das alles andere als spaßig, denn man befindet sich nun in einer Phase, in der das Alte nicht mehr gilt, das Neue aber noch nicht da ist.

Es gibt nicht wenige, die sich dagegen sperren (so ist es mir ergangen), am Alten kleben bleiben, und dann, und zwar nur dann, wird es plötzlich ungemütlich im Leben: Krisen treten auf, Krankheiten, finanzielle Verluste, Scheidung, Scheitern etc.

Am Ende steht man vor einem Scherbenhaufen.

Aber das ist, so schrecklich diese Erfahrung auch ist, eine gute Sache. Denn das, was da zu Bruch geht, ist nur eine Hülle gewesen, die zu eng geworden ist und “platzen” musste, damit eben “Platz” für was Neues entsteht.

Ich glaube, genau das ist Ihnen passiert.

Nun haben Sie gefragt: Ich habe 80.000 Euro Schulden, und ich will nicht mehr von Arbeitslosengeld leben. Soll ich wieder in das alte Hamsterrad zurück? Das kann es nicht sein. Oder wird die Seelensuche plötzlich irgendwie auf wundersame Weise meine Probleme lösen?

Dazu möchte ich gerne einen Zen-Spruch zitieren.

Er lautet: Nach der Erleuchtung wartet die Wäsche!

Will heißen: Wenn wir uns nach Innen gewandt und unsere Seele entdeckt haben, wird es Zeit für den Alltag. Die Rechnungen wollen bezahlt, der Abwasch erledigt, der Fußboden geschrubbt werden.

Der einzige Unterschied ist: Wir mögen zwar das gleiche wie vorher machen, aber unsere Haltung dabei ist eine andere.

Während wir vorher oft darauf geachtet haben, was wir aus dem Leben rausholen können, ist die Seele daran interessiert, etwas ins Leben hineinzubringen.

Die größte Lust der Seele ist das Geben.

Was das genau bei Ihnen ist, kann ich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen. Aber sie können in sich hinein fühlen: Was würden Sie am liebsten in die Welt bringen, wenn Sie alle Mittel (Geld, Zeit, Kontakte) haben, um es auf die Beine zu stellen?

Achten Sie dabei auf die Freude.

Wenn etwas Ihrer Seele entspricht, dann spüren Sie eine Gänsehaut, ein Kribbeln, ein “saugutes” Gefühl (wobei der Kopf mal gerne mosert und zurecht fragt: Und wie willst Du damit Geld verdienen. Dazu gleich mehr).

Also: Woran hätten Sie wirklich Spaß? Was würden Sie für Ihr Leben gerne tun?

Manche Leute entdecken das bei einem Spaziergang. Andere suchen das Gespräch mit einem guten Freund. Ich bin eher so getaktet, dass ich mir die Frage stelle, um Antwort bitte, und dann darauf achte, was in den nächsten Tagen auftaucht. (Tipp: Tagebuch schreiben. Das erhöht die Achtsamkeit für die oft leise, innere Stimme)

Sobald Sie ent-deckt haben, was Sie für Ihr Leben wirklich gerne machen, besteht der nächste Schritt darin, aus der Berufung einen Beruf zu machen.

Sprich: Einen Markt samt Zielgruppe zu finden, die einen Engpass hat, den Sie lösen können. Hier geben sich dann Seele und BWL die Hand.

Denn das kennen Sie vermutlich aus dem FF. Nischenmärkte, Positionierung, Engpasskonzentration etc.

Ihrer Seele ist es dabei relativ egal, was Sie machen: Hauptsache, sie kann das geben, was sie gerne in die Welt tragen möchte.

Ob man das als Angestellter oder Selbständiger macht, ob man den alten Beruf ausübt oder umschult, spielt für die Seele eher eine untergeordnete Rolle.

Wobei die Seele natürlich um die Last von Schulden weiß und Ihnen gerne behilflich ist, sich von dieser Last zu befreien.

Aber hier gelten dann wieder die marktüblichen Gesetze: Sie brauchen ein starkes Angebot, ein attraktives Preis/Leistungsverhältnis, gutes Marketing etc. Das heraus zu arbeiten und auf den Punkt zu bringen, ist die Aufgabe Ihres Verstandes. Er muss prüfen, wie die Mitbewerberumfeld aussieht, wie hoch die Marktchancen sind, ob sich das ganze rechnet usw. Oder wo das für Sie passende Jobangebot ist, welche Qualifikationen Sie brauchen, wie eine Bewerbung auszusehen hat und wie man sich beim Vorstellungsgespräch benimmt.

Kurz: Seele und Verstand brauchen einander.

Hilft Ihnen das weiter?

Ihr

Martin Weiss


Lade Dir jetzt eine kostenlose Audio-Meditation herunter, mit der Du innerliche Blockaden, sowie negative Gefühle aller Art sanft und wirksam mildern und auflösen kannst.




Beitrag schreiben