Woran Veränderung am häufigsten scheitert

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Folgende Zuschrift erreichte mich gestern: “Ich habe mit einem Freund Deine Coachingtechnik EGON durchgeführt. Erst gingen die negativen Gefühle weg. Aber nach einigen Minuten kamen sie mit voller Wucht zurück. Was habe ich falsch gemacht?”

Gar nichts.

Dass die Gefühle so massiv zurückkehrten, war lediglich eine Botschaft aus dem Inneren, dass die Gefühle aus einem guten Grund da sind. Und dass Veränderung nur möglich ist, wenn er berücksichtig wird.

In der Psychologie spricht man auch von einem sekundären Gewinn, einer positiven Absicht..

Nehmen wir zum Beispiel Zigaretten. So ziemlich jeder weiß, dass Rauchen schädlich ist. Und doch tun es noch immer genug Menschen.

Warum?

Weil das Rauchen eine Menge Vorteile mit sich bringen kann: Es ist eine Möglichkeit, zwischendurch abzuschalten. Sich eine Pause zu gönnen. Das Kratzen im Hals hat für viele außerdem etwas Stimulierendes, es “kickt” das Nervensystem ein bisschen. Dann ist Rauchen oft auch ein geselliger Akt. Bei der Arbeit legt man mit anderen eine Rauchpause ein und quatscht ein bisschen. Rauchen kann darüber hinaus ein guter Weg sein, negative Gefühle abzubauen. Und zwar ziemlich zuverlässig: Man regt sich auf, entzündet einen Glimmstengel und kommt wieder runter.

Wenn jemand nun beschließt, sein Verhalten zu ändern, meldet sich – glücklicherweise – sofort etwas im Innern, das ihn daran erinnert: “Wie willst Du denn in Zukunft dafür sorgen, dass Du so schnell Deinen Ärger verrauchen lässt?”

Das Problem: Wenn man sich in den Kopf gesetzt hat, unbedingt das Rauchen zu beenden, besteht die Gefahr, dass man dieEinwände beiseite schiebt. Und nun kommt es zu einem Konflikt.

Meist tritt dann im Leben des Menschen eine Stagnation ein: Man möchte das Rauchen oder irgendein anderes Verhalten beenden, kann es aber “irgendwie” nicht. Die Folge sind Frust, Verärgerung, manchmal sogar Selbstzweifel: Offensichtlich ist man zu schwach, die gewünschte Richtung einzuschlagen.

Tatsächlich aber sind beide Anteil unserer Persönlichkeit (die eine, die beim Alten bleiben, und die andere, die etwas Neues starten möchte) so stark, dass ein Patt eintritt.

Es gibt aber auch andere Fälle, in dem ein Anteil den anderen zu dominieren versucht – und scheinbar dabei auch gewinnt. So hatte ich in einer meiner letzten Webbies einen Teilnehmer, dessen Verstand die Herrschaft an sich gerissen und dabei den kreativen Teil in den Keller verbannt hatte.

Die Folge: Entscheidungen wurden analytisch getroffen – ohne die intuitive Intelligenz. Mit der Verbannung der kreativen Seite wurde auch die Fähigkeit beeinträchtigt, Herausforderungen gut lösen zu können. Überall da, wo herkömmliche Lösungsansätze versagen, ist Intuition gefragt – aber die wird einen Teufel tun; schließlich hat man sie ja vollkommen zu unrecht ins Exil getrieben.

Tatsächlich verhalten sich die Anteile unserer Persönlichkeit wie Charaktere. Sie können verärgert, eingeschnappt,  misstrauisch, kleinlich, ängstlich oder lustig, liebevoll, großzügig, künstlerisch und – wenn es sich zum Beispiel um die innere Stimme handelt – auch weise agieren.

Wie bei echten Menschen eben.

Aber, und das ist das verblüffende Resümee, das ich jetzt in gut zwanzig Jahren als Coach ziehen konnte: Sobald man diesen Anteilen respekt- oder gar liebevoll entgegenkommt, erweisen sie sich als: kooperativ.

Ich habe noch nie, nicht ein einziges Mal, erlebt, dass ein Teil die Mitarbeit verweigert hätte. Ja, manche reagierten anfangs misstrauisch, waren skeptisch oder einfach nur zurückhaltend. Aber sobald sie merken, dass ich ihre positive Absicht ernst nahm, änderte sich ihre Stimmung – und sie zogen mit.

Das ist, wenn man so möchte, die “frohe Botschaft” dieses Artikels. Denn was für Persönlichkeitsanteile gilt, passt auch zu den Menschen im Ganzen. Unsere Gegner, unsere Kontrahenten, unsere “Ausbremser” halten inne, wenn wir ihnen zuhören – und sie kommen auf unsere Seite, wenn es wirklich darum geht, echte Lösungen zu finden.

Was heißt das nun konkret?

  • Soabld Sie einen Widerstand spüren, halten Sie inne. Nehmen Sie wahr, dass sich etwas sperrt.
  • Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach Innen. Spüren Sie den Widerstand. Erkennen Sie an, dass er da ist.
  • Fragen Sie sich: Was willst Du für mich sicherstellen? (Wenn innerlich Chaos herrscht und sie viele Antworten wahrnehmen, holen Sie sich bitte einen Zettel und schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt.)
  • Wenn Sie eine scheinbare “negative” Antwort bekommen (“ich will dem Herrn Meier eins auswischen, damit er merkt, mit wem es es zu tun hat”), haken Sie nach: Was gewinne ich, wenn ich dem Herrn Meier eins auswische? Mögliche Antwort: “Dann bekommt er Respekt vor mir.” Und was bringt mir das? “Meine Meinung wird ernst genommen” Und was bringt mir das? “Wir bekommen eine Lösung, die auch für mich passt” = positive Absicht!
  • Sobald Sie die positive Absicht kennen, fragen Sie nach ob dieser Anteil in Ihnen Lust hat, etwas Neues auszuprobieren, wenn es seine positive Absicht mindestens genau so gut, wenn nicht sogar noch besser erfüllen kann.

In den meisten Fällen sagt der Anteil: “Ja.” Wenn nicht, sind noch nicht alle Einwände auf dem Tisch. Fragen Sie also nach: “Was fehlt Dir noch? Was muss ich noch berücksichtigen?”

Auf diese Weise gewinnen Sie früher oder später Ihr Inneres, und alles in Ihnen zieht an einem Strang.


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  1. Kleiner Nachtrag. Der “Zuschriftenschreiber” (was für eine Wortschöpfung) antwortete mir heute auf diesen Beitag: “Danke erst mal für Deine Mühe… Ich erkenne gern an, dass es natürlich Argumente gibt, warum man gern raucht (bleiben wir bei dem Beispiel). Sonst würde man es wohl kaum tun. Ich selber stehe auf das Motto: Menschen tun immer das aus Ihrer Sicht beste, aber manchmal braucht es einen Schubs, damit Sie auch das Richtige tun. Ich will damit sagen, dass die klassische Psychotherapie doch wohl alle Probleme in der Vergangenheit sucht, im gestern, im Vorgestern, in der Kindheit und vielleicht sogar im letzten Leben.

    Oft höre ich aber insbesondere aus der NLP-Ecke, dass es nicht notwendig ist in der Vergangenheit rumzuwühlen, um eine Verhaltensänderung und damit verbunden eine Gefühlsänderung herbeizuführen.

    In der Hypno-Ecke ist man geteilter Meinung, denke ich. Auf der einen Seite gibt es da Menschen, wie einen HP Zimmermann, der immer wieder von der aufdeckenden Hypnose spricht und dass erst dadurch störende Blockaden aufgelöst werden können. Auf der anderen Seite – schaut man sich Murphy und “the Secret” an, bedarf es doch nur einer Änderung seiner bewussten Wahrnehmung von Welt, die dann eine Änderung der Gefühle und Verhalten nach sich zieht.”

    Das stimmt. Wenn wir jetzt unsere Sicht der Dinge ändern, verändern wir auch unser Leben.

    Aber: Die alten Überzeugungen fußen auf Erfahrungen, die wir gemacht haben. Und auf Überzeugungen, die wir lange Zeit für wahr hielten, und die deswegen noch in unsere Gehirnwindungen eingeprägt sind.

    Deswegen funktioniert “The Secret” für viele Menschen nicht. Die eine Seite in uns sagt: “Ich will mein Leben ändern.” Und die andere: “Bist Du noch ganz bei Trost? Erinnerst Du Dich nicht an …, wo alles so komplett daneben gegangen ist?”

    Dann, und nur dann, lohnt es sich hinzuschauen, herauszufinden, was dieser Anteil will (positive Absicht) und sicher zu stellen, dass die ins Ziel einfließt. “Ich änder mein Leben, und (!) sorge dafür, dass meine positive Absicht genauso gut, wenn nicht sogar noch besser erreicht wird.” Zum Beispiel, dass das Berufliche floriert, dass unsere Beziehungen aufblühen, wir genug Geld haben und so weiter.

    Unterstützend dazu kann man EGON verwenden, um alte Erinnerungen und alte negative Gefühle aufzulösen. Aber immer daran denken: EGON ist gut geeignet für typische Alltagsemotionen. Bei heftigen Erinnerungen bitte IMMER einen Profi aufsuchen (Psychologe, Arzt, Heilpraktiker etc.).

    Kurz: Veränderung beginnt immer hier und jetzt. Das Graben nach alten Problemen macht nur dann Sinn, wenn etwas Altes uns heute dazwischenfunkt. Meist reicht es, die positive Absicht des Dazwischenfunkers mit zu integrieren. Manchmal ist es hilfreich, dass durch die Arbeit mit den alten, negativen Emotionen zu unterstützen.

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