Tag 20: Das Ende von Mr. Perfect

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(Tagebuch zu “Mach das Beste aus 2010“)

(Aktuelle Bewertung aus meinem 28 Tage Transformer Relax)

Zum Stand der Dinge: Bin immer noch gesundheitlich angeschlagen und muss mich schonen. Viele Termine habe ich neu vereinbart, aber dennoch bleiben Aufgaben, die ich nicht verschieben kann oder möchte. Ich gönne mir allerdings auch Zeit zum Ausruhen.

Und ein Thema, das mich seit dem Coaching mit Edda Vanhoefer beschäftigt hat, rumorte in den letzten Tagen ganz besonders in meinem Inneren.

Thema des Coachings war ja: Wie bekomme ich Wachstum für mein Unternehmen hin?

Die Antwort, das im Coaching auftauchte: Authentizität.

Interessanterweise klingelte etwas in mir dazu – aber ich konnte es nicht so recht packen.

Und so fragte ich mich dann in den letzten Tagen immer wieder: Wo und bei was sollte ich (mehr) Authenzität zeigen?

Allerdings wollte mir erst nichts so recht einfallen.

Klar, es gab Ideen.

Zum Beispiel hatte ich vor einigen Wochen einige Inspirationen zu neuen Projekten.

Eines davon: “Deep Shit – Wenn Dich das Leben bei den Eiern packt” (Arbeitstitel). Ich habe mir sogar dazu den Websitenamen reserviert: http://www.deep-shit.de/

Und das andere: “Du rockst” (http://www.du-rockst.com/), das einen etwas anderen Umgang mit dem Thema Beruf und Berufung beinhalten wird.

Kaum hatte ich die Ideen notiert und die Sites vorsichtshalber aufgesetzt, kamen mir auch schon Bedenken: “Ist Deep Shit nicht etwas profan? Vor allem das mit den “Eiern”? Versteht man als Deutscher den Titel “Deep Shit”? Wirst Du für sowas einen Verlag finden?”

Oder “Was hat Du rockst mit Beruf und Berufung zu tun?  Welche Zielgruppe willst Du da ansprechen? Könnte es sein, das Institutionen, die Fördergelder für Existenzgründer zur Verfügung stellen, sich am Titel stoßen werden?”

Jede Menge Einwände.

Heißt Authentizität nun, diese – zugegebenermaßen – etwas schrägen Projektideen zu verfolgen?

Jein.

Klar: Was Eigenständiges zu machen, ist immer besser, als noch mehr “08/15″ in die Welt zu setzen.

Aber irgendwie nagte in mir das Gefühl, dass ich etwas Wesentliches übersehen würde.

Und dann kam die Antwort in den letzten Tagen aus einer Ecke, die ich dafür gar nicht auf dem Schirm hatte. Es trudeln immer Mails von Leuten ein, die mir folgendes schreiben:

“Habe mitverfolgt was bei dir so läuft und finde es sehr mutig und authentisch, wie du dich präsentierst, dafür „Hut ab“. Deine Prozesse sind für mich und sicher auch viele Andere auch sehr interessant.”

“Und nochmals möchte ich meine Bewunderung aussprechen, dass Du mit deinem Blog so authentisch und ehrlich bist, eine für mich der wichtigsten Qualitäten eines Menschen und auch bei Beratern (beides finde ich leider gar nicht so oft)”

Letzteres finde ich hochinteressant.

Um ein Geheimnis zu verraten: Früher (vor über 20 Jahren, als ich meine erste Coaching-Ausbildung antrat) dachte ich immer: Trainer haben es raus. Die wissen, wie es geht. Die führen bestimmt ein großartiges Leben.

Damals war ich halt noch jung und naiv, und tatsächlich dauerte es auch nicht lang, bis ich herausfand, dass selbst die größten und zu der Zeit bekanntesten Trainer, bestenfalls eine Show ablieferten. Klar, nach außen hin strahlten sie Kompetenz, Seriösität und Selbstsicherheit aus. Aber im echten Leben sah das Ganze denn doch anders aus.

Nehmen wir zum Beispiel “NLP”, eine Schule, die sich ihrer Kommunikationsfähigkeiten rühmt. Tatsächlich aber wurde hinter den Kulissen mit Dreck geworfen, was das Zeug hielt – bis hin zu Gerichtsverfahren, in denen angebliche Millionenwerte verhandelt werden sollten.

Auch in der spirituellen Szene, in die ich gerne immer wieder hineinschnuppere, geht es wenig heilig zu. Wenn Reiki beispielsweise die Energie von Licht und Liebe ist, wie kann es sein, dass so viele, auch maßgebliche “Reikianer” bis aufs Blut zerstritten sind?

Für mich war das ein untragbares Dilemma.

Lösen wollte ich es dadurch, dass ich selbst einen so hohen Standard erreiche, dass ich wirklich “lebe, was ich predige”.

Aber das ist leichter gesagt als getan.

Klar, es gibt Tage, da bin ich die Spitzenversion von mir selbst. Aber leider gibt es auch Ausnahmen. Obwohl ich e:ffectivity (Zeitmanagement, Produktivität) unterrichte, gibt es auch bei mir durchaus  Tage, an denen ich unter Strom stehe, in denen ich meine Ziele nicht gebacken bekomme und mein Schreibtisch wie Hulle aussieht.

Und wie man anhand der Einträge zu “Mach das Beste aus 2010″ sieht, bin ich als “Mr Coach Your Self” auch nicht immer auf Wolke Sieben unterwegs. Auch ich habe meine Dämonen, mit denen ich ringe.

Dieses Dilemma zwischen Anspruch und Wirklichkeit kann viel Kraft kosten.

Denn natürlich verkauft es sich besser, wenn man sich als “Mr. Perfect” darstellt. Nach wie vor suchen Viele nach einem Guru, den sie bewundern, dem sie nacheifern können.

Wer will schon einen Experten zu Rate ziehen, der sagt: Ich kriege das auch nicht immer gebacken?

Aber vielleicht ist es an der Zeit, dass wir alle miteinander ehrlicher werden.

Dass wir die Show beenden.

Dass wir uns zeigen, wie wir sind. Großartig – aber auch unsicher. Kleingeistig – und genial. Liebevoll – und manchmal eben auch ein “fiese Möpp”.

Halt so, wie man ist.

Authentisch eben.

PS: Kaum zu glauben, aber während ich an diesem Artikel schrieb, erhielt ich zeitgleich eine Mail von meinem alten Kumpel Jay, dessen Meinung mir immer viel bedeutet: “Gute Besserung…ich bin ganz angetan, wie persönlich Du diese exchanges gestaltest – d.h. auf Deiner homepage ist tatsächlich Jemand ( Du) at home…


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