Wer uns bei Veränderungsprozessen aufhält: Grenzwächter

14 Beiträge

Nach meinen beiden Videos “Dramaland” und “Fluchtweg” kommt nun der dritte Teil: Grenzwächter.

Ich glaube, ich habe so gut wie noch nie erlebt, dass ein Veränderungsprozess ohne sie abgelaufen ist: Grenzwächter.

Eigentlich kann man die Uhr danach stellen: Sobald jemand ein schönes Ziel formuliert hat, tauchen sie unweigerlich auf. Die kritischen Stimmen, die uns auch so im Tagesgeschäft gerne mal malätrieren.

You-Tubeversion: http://youtu.be/Wc9M6ct5FDE


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  1. Lieber Martin,
    ja, diese Theorie ist bekannt.
    Wem hilft sie ?
    Wenn man ganz tief im Schlamassel sitzt, weil man sich mit den verschiedensten “Pillen” immer mehr eingebuddelt hat, dann kann man das nicht (mehr) sehen.
    Wie schon mal erwähnt, ich bin 57 und erkämpfe mir gerade meinen Weg aus meiner Sackgasse.
    Die momentane berufliche/geschäftliche Situation kann man nicht als “normal” bezeichnen und ist nicht mit der von vor ein paar Jahren zu vergleichen.
    Ich gestehe mir zu das als Fakt und nicht als Ausrede zu sehen.

    Der Weg hinaus geht nur über das TUN und es gilt auch, die vielen Gedanken auszuschalten, die das be- oder verhindern.
    Die Frage ist eben WAS tun ?
    Bei mir war der Druck schon derart hoch, das ich was finden MUSSTE.
    In meinem Fall war das positiv und es scheint jetzt einiges in Bewegung gekommen zu sein – aber verdammt hart !
    Es war auch notwendig ALLE alten “Trampelpfade” zu verlassen und ganz neu zu denken und zu handeln.

    Zuerst musste ich aber “mein Thema” finden, um es (jetzt) umsetzen zu können – und da sehe ich den Knackpunkt.

    Bitte schau Dir auch meine kommentare zu den anderen, beiden Videos an.

    Liebe Grüsse

    TOM

  2. Hallo Tom,

    eine Übung, die ich Dir empfehlen kann, ist der “liebevolle Blick”, eine Audiomeditation, die Du hier bekommen kannst: http://www.coach-your-self.tv/tabid/771/Default.aspx

    Ich kenne Deine Probleme aus dem FF. Ich bin selbst jahrelang durch Dramen durchgegangen, in denen nichts hinhauen wollte, in denen eine Katastrophe die nächste jagte, und ich einfach nicht weiterkam.

    Die Quintessenz war: Ich hatte mich selbst vernachlässigt, meinen eigenen Weg ignoriert (habe damals viel Marketing gemacht, was eine interessante Zwischenstation war, aber nicht meine Berufung).

    Bei mir löste sich erst der Knoten, als ich zu meiner Berufung gestanden und mich als Coach und Trainer selbstständig gemacht habe.

    Im Nachhinein bin ich ziemlich dankbar für diese Krise. Sie hat mir gezeigt: Wenn man sich treu bleibt, oder immer treuer wird, beginnt das Leben wieder zu laufen.

    ;-)

    Martin

  3. Hallo Martin,
    ich sehe es so wie Tom. Wir alle kennen diesen Zustand der” Not Wendigkeit”. Da werden die meisten Kräfte gebündelt, und wenn man einen guten Freund, Coach hat oder ein guter Autodidakt ist auch wieder frei. Dann können die Grenzwächter, regelrechte Zöllner die einen durchaus auch haben zahlen lassen enttarnt werden und kann man wieder was bewegen. Vielleicht sollte man also in der Zeit wo es einem gut geht richtig was tun, damit man dann im kommenden Dramaland besser zu recht kommt. Manchmal geht das. Allerdings geht die Kuh ja gerne aufs Eis, wenn es ihr zu gut geht. Meistens ist das nächste Dramaland ein absolut neues fremdes. Alles was du erzählst kenne ich in Theorie und Praxis gut. Schön ist es, wenn man dann endlich was tun kann, Erkenntnisse hat, Lösungen erarbeiten kann. Schrecklich sind doch genau die Phasen davor, wenn man nix sieht und gar nicht weiß worum es diesmal geht. Und für mich sieht es so aus, dass man immer, wenn es wirklich Dramaland ist, bis nach ganz unten muss, um dann die notwendigen Schritte tun zu können. Für manche dieser Dramaländer habe ich inzwischen Karten anlegen können. Die Crux liegt wohl in der Illusion zu glauben, dass man mal fertig ist. Weise und für alle Lebenssituationen gewappnet.

    • Hi Anke,

      zwei Anmerkungen dazu.

      Zunächst zu den Grenzwächtern: So, wie Du es schilderst, klingt es fast ein bisschen hart…”regelrechte Zöllner die einen durchaus auch haben zahlen lassen enttarnt werden und kann man wieder was bewegen.”

      Diese Grenzwächter sind Deine eigenen Schöpfungen. Du hast sie durch Entscheidungen und bestimmte Gedanken (“Ich werde nie wieder….”, “Nochmal bin ich aber nicht so schwach….” “Wenn mich das nächste Mal jemand so behandelt, dann werde ich…”) selbst geschaffen. Diese Entscheidungen und Gedanken werden als Gewohnheit in Deinem Gehirn angelegt und führen quasi ein Eigenleben.

      Es ist ein bisschen so, als ob man einen Sohn oder eine Tochter zeugt…

      Und so sollte man die Grenzwächter behandeln. Wie Kinder, die man liebt…

      In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, wie sich diese Grenzwächter sofort zu öffnen beginnen, wenn man ihnen wertschätzend und respektvoll begegnet. Tatsächlich ist das die mir einzig bekannte Methode, die nachhaltig funktioniert.

      Und sobald man den Grenzwächtern liebevoll begegnet, entdeckt man schnell, dass sie sehr kooperativ sind. Sie wollen ja, dass es Dir gut geht. Sie machen doch nur das, was Du ihnen aufgetragen hast.

      Natürlich kann es manchmal sein, dass manche Grenzwächter auch grummelig sind. Vor allem, wenn man sie jahrelang bekämpft hat. Dann brauchen sie ein bisschen Zeit, bis sie merken, dass nun wirklich ein anderer Wind weht.

      Die Übung “der liebevolle Blick” ist da ein guter Anfang. (Siehe oben bei Tom).

      Und zu dem anderen Punkt: Wir sind “nie” fertig. Warum auch? Das Leben entwickelt sich immer weiter, und wir uns auch.

      Es sind nur die “Gurus”, die einem erzählen wollen, “mach mal meine Methode, und Du landest im 7. Himmel”.

      Das ist natürlich Quatsch. Es gibt kein Ende, kein Fertig sein. Man schließt zwar mit bestimmten Lebens- und Entwicklungsphasen ab. Klar. Aber danach kommt was Neues.

      Gottseidank!

      ;-)

      Martin

  4. Hallo Martin,
    stimmt echt. Hast mich erwischt mit meinen Zöllnern. Da darf ich was ändern. Die “Gurus” kenne ich auch. Da wird man mit Meditieren und Übungen und Seminaren nie fertig. Wenn ….. dann…. Das sind die Versprechen. Ich hab´s lange genug geglaubt. Wollte es auch (s.o.). Also, mache ich munter weiter und schau mir mal den Liebevollen Blick an.
    Anke

  5. Juliane sagt:

    So einfach… und doch wär ich wahrscheinlich selbst nie drauf gekommen. :D
    Den liebevollen Blick kann ich extrem empfehlen. Je öfter man es macht, desto besser klappt’s… ;)

    Du bist der Beste, Martin!

  6. Hallo nochmal :) ,
    Anke, Du schreibst, dass man gerne von einem Dramaland ins nächste gleitet. Das habe ich auch so erfahren. Allerdings muss ich aus MEINER Sicht sagen, habe ich offensichtlich immer noch gut verdrängt und kompensiert. Man kann ein Thema bearbeiten vom Kopf her, dies auch verstehen. Wenn es nicht GANZ ins Gefühl rutscht, ändert es halt die Farbe. Dann entstehen neue Symptome, andere, die aber im Kern immer noch das gleiche, unerlöste Muster haben. Den gleichen Anteil, Grenzwächter, Glaubenssatz, der noch nicht angenommen wurde. Das Ego liebt Probleme und zeichnet vielleicht auch gerne viele Landkarten um zu beweisen, wie tüchtig es iśt. Wie bemüht.Es hält fest und will in seiner Meinung “Recht haben”. Und es gibt ja sooo viele Möglichkeiten :) . Ich kenne diese Gefühle sehr sehr gut, auch wie Tom das für sich erlebt gerade! Mein ganzes Mitgefühl für diese Stromschnellen! Natürlich ist das Leben ein Prozess und man wird immer wieder mit neuen Anteilen und Ereignissen konfrontiert. Nur dass das immer Dramaländer sein müssen… das glaube ich heute nicht mehr. Wie siehst Du das? Martin? Wünsche allen einen Tag, der vielleicht heute eine Komödie ist??
    Viele Grüße von
    Annette
    Annette

  7. Juliane sagt:

    Nochmal ich! :D Ich hatte grad einen von diesen gedanklichen Klicks, und den muss ich grad mal loswerden. Als ich gerade über den liebevollen Blick nachgedacht hab – bzw vielmehr über die dahinterstehende Idee, dass man eine bisher ungeliebte Charaktereigenschaft lieben kann – hab ich mich daran erinnert, wie (am Ende) gut das ja mit meiner Insektenphobie geklappt hat. Dann hab ich den Gedanken mit diesem Video verbunden und festgestellt, dass diese Phobie auch quasi nur ein Wächter ist, der mich vor scheinbar Gefährlichem beschützen will. Aber dabei leider nicht intelligent denkt und über das Ziel hinausschießt, indem die Angst erstens deutlich übersteigert ist und zweitens auch bei Insekten anschlägt, die überhaupt nicht stechen können. Die Analogie von damals trifft nun noch besser zu: ein (leicht unvernünftiges) Kind ist mein Wächter! Ich hab innerlich Frieden mit ihm geschlossen. Und vielleicht kann ich es noch irgendwann überzeugen, dass es ein bisschen weniger wachsam sein darf. ;o)

    Noch ein kleines Feedback, Martin: “Grenzwächter” könnte ein Wort sein, das falsche/ negative Konnotationen hervorruft: Ich persönlich hab bei dem Wort im ersten Moment einen Kerl mit finsterem Blick und nem Schwert vor Augen. Und das kann die Akzeptanz schwieriger machen. Gäbe es da nicht ein harmloseres Alternativwort? Vielleicht würde es schon helfen, ihn “Grenzbeschützer” zu nennen, das klingt schon positiver für mich. Aber das mag auch wiederum Ansichtssache sein.

    Liebe Grüße von
    Juliane

    • Hallo Juliane,

      das ist eine gute Idee. Ich hatte mich für den Begriff Grenzwächter entschieden, weil diese inneren Kritiker zum Teil schon ziemlich martialisch vorgehen: Sie beschimpfen, beleidigen und ziehen einen mitunter derbe runter. Sie tun es aus einer guten Absicht heraus (und wir haben sie ja auch noch selbst geschaffen und beauftragt), aber sie sind zum Teil schon heftige Zeitgenossen. ;-)

      Aber ich werde diese Idee im meinen neuen Buch aufgreifen, das nächstes Jahr erscheint (mit einem Bezug zu Dir, natürlich!)

      Martin

  8. Hallo,

    vielleicht passt ja bei dieser Metapher mit der Grenze die reale Entwicklung bei den europäischen Landesgrenzen. Da saß Ewigkeiten ein Mensch im Pförtnerhaus und hat jeden kontrolliert bevor er die Schranke hochgezogen hat, und die Schranke war fast immer unten, weil es notwendig erschien. Heute ist die Schranke fast immer oben, und die Welt ist trotzdem nicht unter gegangen. Es ist aber gut zu wissen, dass man dabei ist eine Grenze zu überschreiten, damit man wachsam ist, was mich auf der anderen Seite erwartet.

    Irgendwie neigen wir Deutschen zu übertriebenem Selbstschutz. Man nehme nur das Beispiel: Kundenschutz. Da wird es Firmen wie Lands End oder Tupperware NUR in Deutschland (!) verboten, mit lebenslanger Garantie zu werben, zum Kundenschutz! Dass wir Artikel ein Leben lang zurück geben können, ist auch eine schlimme Bedrohung für uns als Kunde ^^

    Andrea

    • Moin Martin,

      in der psychologischen Praxis wird schon sehr lange mit der Metapher des Wächters gearbeitet… und der seines Gegenübers: Dem Antreiber. Dieses Paar ist allzuoft ausser Rand und Band. Und ich erlebe es in den Coachings und auch immer wieder mal bei mir selbst: Da baut sich vor einem so ein Wächter auf, mal in gruseligem Outfit, mal schleimig wie Gollum, oder noch ganz anders. Wenn dieses Wesen direkt und klar angesprochen wird (was eine erhebliche Leistung sein kann!), dann geschieht es immer wieder, dass eine Aufforderung erfolgt, für einen Moment einen Blick hinter sich zu werfen. Und was einen da bisweilen für ein Monster anguckt, ist oft um Dimensionen erschreckender, als der Wächter. Das ist der Antreiber, der uns in bestimmte Richtungen peitscht, uns atemlos auf die Suche hetzt, und, und, und… Jetzt heißt es Nerven behalten und sich dem Wächter zuzuwenden, der nämlich sehr kooperativ ist. Mit ihm gemeinsam kann der Antreiber gebremst werden. Und erst dann ist es möglich sich zusammen an den inneren runden Tisch zu setzen: Wächter, Antreiber und ich beraten als Team, was in der Angelegenheit zu tun und das rechte Maß ist. Und es werden Spielregeln für das weitere Vorgehen in der Angelegenheit vereinbart. Also passt schlussendlich der Wächter auf, dass ich mich nicht ausbrenne und verrate, während der Antreiber halt ab und an den mehr oder weniger heftigen Tritt in den Hintern machen darf, damit ich nicht im leblosen Zustand verharre.
      Ja, das ist ein sehr individueller Prozess. Und vor allem: Für jeden von uns gibt es ein eigenes Maß und für jeden hält das Schicksal immer wieder neue Überraschungen parat, damit wir schön lebendig bleiben!

      Herzlichen Gruß
      Michael

  9. Kornelia Lesnewski sagt:

    Mir ging es ähnlich wie Juliane. Der Begriff “Grenzwächter” löste in mir ein unangenehmes Gefühl aus, der es schwer machte, diesen “unangenehmen Kerl” zu akzeptieren.
    Ich finde auch “Grenzbeschützer” besser, weil ich mich damit besser identifizieren, ihn leichter annehmen und arbeiten kann.
    Immerhin hatte er ja anfangs die Aufgabe, im positiven Sinn auf mich aufzupassen, bevor er sich verselbstständigte.

    Kornelia

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