Anmerkungen zu der Übung “Der liebevolle Blick”

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Damla, eine Kommentatorin des Artikel “Woran die meisten Menschen zu knacken haben”, hat mir folgende Frage zu der Übung “Der liebevolle Blick” gestellt (die Übung können Sie sich hier kostenlos beschaffen): “Meine Frage hierzu: der Grund, weshalb wir dieser negativen Eigenschaft mit Liebe, Freude & Dankbarkeit entgegentreten soll, ist wohl, dass wir beim nächsten Mal- wenn diese Eigenschaft auftritt- automatisch Liebe, Freude & Dankbatkeit ausstrahlen werden und diese negative Eigenschaft wird sich dadurch immer mehr reduzieren??? Ist das, was hinter dieser Übung steckt??”

Das kann ein Effekt sein.

Aber die Übung hat noch einen ganz anderen Hintergrund…

Wie ich in dem Video in dem Artikel “Woran die meisten Menschen zu knacken haben” dargelegt habe, neigen wir alle dazu, bestimmte Seiten in uns zu fördern. Und andere in den Schatten zu verdrängen.

Womit wir bei anderen gut ankommen, gelangt meist in die Sonne. Was andere an uns ablehnen, bekommt ein Plätzchen im Schatten.

Auf diese Weise zersplittert unsere Persönlichkeit zunehmend in unterschiedliche Anteile, die sich leider nicht immer grün sind. Bei vielen von uns herrscht im Inneren Krieg. Wir verurteilen uns, bekämpfen uns, lehnen Charaktereigenschaften in uns und in anderen ab – und so weiter.

Meiner Meinung nach geht ein erheblicher Teil unserer Schwierigkeiten im Leben geht auf diesen inneren Unfrieden zurück.

Aber man kann diesen Unfrieden nicht auflösen, in dem man ihn bekämpft. Sondern in dem man anfängt, sich wieder Schritt für Schritt anzunehmen.

Tatsächlich glaube ich, dass dies ein Weg ist, wirklich wieder “heile”, also “ganz” zu werden. Darum heißt der neue Kurs eben auch ganz bewusst: “All you need is: Love!”

Das habe ich am eigenen Leibe erlebt. Als ich mit der Übung angefangen habe zu arbeiten, habe ich erlebt, wie selbst Anteile, mit denen ich viele Jahren gehadert hatte, sich öffneten und versöhnlich zeigten. Manchmal erst nach ein, zwei oder drei Sitzungen. Manchmal binnen weniger Minuten.

Die Wucht dieser Übung hat mich anfangs überrascht, zumal sie ja ziemlich schlicht und einfach ist.

Heute weiß ich, dass es sich quasi um eine Meta-Strategie handelt. Nicht um eine einfache Taktik, mit der man sich in irgendwelche Zustände trickst. Sondern um eine innere Haltung, die den in der Kindheit begonnenen Zersplitterungsprozes umkehrt und in Richtung inneren Frieden führt.

Ich bin selbst noch nicht ans Ende dieser Reise angekommen.

Aber ich weiß heute mit einer tiefen inneren Gewissheit, dass dies ein (vielleicht sogar “der”) Weg ist, der uns zum Ziel führt.


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  1. Lieber Martin,

    herzlichen Dank für deine Antwort!

    Ich habe noch eine weitere Frage hierzu:

    ich verstehe die “Tatsache der Annahme” um daduch den inneren Frieden zu spüren! Denn ich glaube stark an Ying Yang. Balance herrscht nur dann, wenn + (Plus) & – (Minus) miteinanderveinabrt werden etc.
    Doch wenn man das – in ein + umwandeln kann, sollte man dran arbeiten oder nicht? D.h. dass Minus in Einem erkennen und versuchen es zu verbessern?? Denn im Laufe der Jahre werden höchstwahrscheinlich immer wieder weitere Minuse sich als Characktereigenschaft verankern….

  2. Liebe Damla,

    nicht verbessern. Sondern annehmen.

    Das ist ein Riesenunterschied.

    Wenn ich versuche, etwas zu verbessern, sage ich ihm: So wie Du bist, will ich Dich nicht. Und damit ist der Widerstand vorprogrammiert.

    Wenn Du es annimmst, lässt Du es einfach so sein, wie es ist.

    Das gilt Innen wie Außen: Das Geheimnis einer gelungenen Partnerschaft liegt nicht so sehr darin, den anderen nach den eigenen Ansichten formen zu wollen. Sondern ihn oder sie so zu nehmen, wie sie sind. Mit all ihren Eigensinnigkeiten, angeblichen “Macken” und “Marotten”.

    Wenn Du merkst, dass Du unbedingt etwas verbessern und ändern willst, dann wende Dich erst dem Teil in Dir zu, der das will. Lass ihn da sein. Schenk ihm auch den liebevollen Blick.

    Und dann wendest Du Dich der ungeliebten Seite in Dir zu und schenkst ihr, so gut Du gerade kannst, den liebevollen Blick. Dabei achtest Du nur darauf, was passiert.

    Vielleicht reagiert die Seite in Dir zu Anfang beleidigt. Oder sie schmollt. Oder sie ist kratzbürstig.

    Lass auch das einfach da sein. Nimm es an. Und schenke ihr weiterhin den liebevollen Blick.

    Nach einiger Zeit, und das ist bei jedem dieser Anteile unterschiedlich, wirst Du merken, dass dieser Anteil sind zu verändern beginnt. Was auch immer das für eine Veränderung ist, lass es einfach zu.

    Je weniger Du also forderst oder bewirken willst, und je mehr Du zulassen kannst, was da kommt, desto “heil”samer wird es.

    Mir ist es so ergangen, dass ich nach einiger Zeit gemerkt habe: Hey, diese Anteile müssen sich gar nicht ändern. Die sind in Ordnung so,

    Ein streitsüchtiger Anteil hat eine Menge Kraft. Und manchmal muss man halt für seine Meinung, seinen Standpunkt einstehen – auch wenn es anderen nicht gefällt. Dazu ist so ein Teil gold wert.

    Und ein anderer Anteil, der sehr egoistisch ist, sorgt dafür, dass ich nicht von anderen überrollt oder gar ausgenutzt werde. Warum sollte ich das ändern oder verbessern? Eine solche Eigenschaft hat eben auch ihren Platz im Leben.

    Und Anteile, die schwach und unsicher daherkommen, sind wichtig, um sich aus festgefahrenen Meinungen zu befreien. Eine Portion Unsicherheit ist die ideale Würzmischung für jede Form von Dogmatismus.

    Apropos Gewürze: Pfeffer ist scharf und kann als Überdosis weh tun. Aber ist er deswegen ein Minus? Sollten wir deswegen den Pfeffer aus der Küche verbannen? Oder das Salz? Oder den Essig?

    Ich meine: Das Leben braucht Würze. Braucht Vielfalt. Braucht Multi-Kulti.

    Und der liebevolle Blick sagt genau dazu: Ja!

  3. Das klingt sehr logisch für mich!! Ich vertiefe das jetzt!

    ich spreche allerdings hauptsächlich von Eigenschaften, die Andere d.h. vorallem deine Liebenden verletzten können…

    d.h. man sollte nicht zuuu streitsüchtig oder zuuu egoistisch sein!
    ich denke, hier geht es um die “richtige Menge” dieser Gewürze….das meinte ich mich reduzieren oder verbessern, es soll nicht too much sein…

  4. Ok, noch ein Nachtrag von mir, was ich oben versäumt hatte zu erwähnen (aber das ist ja das Gute an Dialogen wie diesen)…

    Ich habe gemerkt, dass sich die richtige Art von Balance zwischen “zuviel” und “zuwenig” von ganz alleine einstellt.

    Als ob wir im Inneren eigentlich schon eine Art Ordnung haben, wie es am besten für uns und die anderen passt. Und wenn wir liebevoll an uns herangehen und den Rest “geschehen” lassen, sich diese Ordnung von alleine einstellt.

    Man muss also gar nicht die ganze Zeit mit dem Verstand steuern, ob ein bestimmtes Gefühl, ein bestimmtes Verhalten zuviel ist, sondern verlässt sich auf seine Intuition.

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