Zwischen Pflicht und Lust: Das Drama des “Muss ja”

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Anlässlich meines kostenlosen Selbstcoachingswerkzeugs “Die Selbstbildrakete” aus dem Kurs “All you need is: Love!” schrieb mir ein Nicht-Nutzer des Werkzeugs folgende Zeilen:

“Ich hab mir die Selbstbildrakete runtergeladen, weil mich der Prozess wirklich interessiert. Allerdings bin ich bis heute nicht dazu gekommen, mich damit zu beschäftigen. Und obwohl mein Interesse groß ist, find ich die Zeit nicht dafür. Aber dadurch ist mir gleich ein grundsätzliches Problem aufgefallen, das wahrscheinlich viele Menschen mit mir teilen:

Zeitmanagement ist Prioritätsmanagement. Zeit hat jeder gleich viel, nur was wir in dieser Zeit tun ist unterschiedlich, weil wir alle unterschiedlich motiviert sind.

Jetzt gibt es zweierlei Arten motiviert zu sein:

1. Wir tun etwas, damit keine Situation eintritt, in der wir unglücklich sind

2. Wir tun etwas, um Situationen zu schaffen, in denen wir glücklich sind.

Meistens bin ich mit Nr. 1 beschäftigt (Broterwerb, Haushalt, die täglichen Pflichten erledigen). Wenn ich dann entsprechend viel an Nr. 1 gearbeitet habe, bin ich müde und geschafft, dann vergesse ich auf sämtliche “Selbstbildraketen”, weil ich mich einfach erholen möchte und nicht mehr anstrengen will.

Ich nehme an, dass es vielen so geht (vielleicht sogar auch dir selbst) und würde mich daher über eine Antwort von dir sehr freuen!!”

Hier meine Antwort…

Hallo lieber Nicht-Nutzer,

ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten, aber ich unterrichte in der Tat Zeitmanagement seit über 10 Jahren (siehe www.e-ffectivity.biz). Und früher habe ich auch immer gedacht: Ach, wenn doch diese verdammte Pflicht nicht wär!

Heute sehe ich das anders.

Aber ich muss Ihnen gestehen, dass ich für diese neue Sichtweise eine Menge Lernerfahrungen verbuchen musste. Oder sollte ich nicht eher sagen: verbuchen durfte?

Denn dieses ewige “MUSS” hat mir lange Zeit die Sicht auf etwas Wesentliches versperrt.

Zu müssen heißt, von etwas da Draußen gezwungen zu werden.

Zu müssen heißt, Opfer zu sein.

Ein Opfer der Umstände.

Des bösen Bosses, der fiesen Kunden.

Der Wirtschaftslage.

Der Kinder, die neue Schuhe brauchen.

Des ewigen Kuddelmuddels, der unseren Haushalt im speziellen und unser Leben im allgemeinen durcheinander bringt. Und der uns permanent zwingt, zu reagieren, gerade zu rücken, aufzuräumen, fleißig zu sein.

So kommt es einem vor, wenn man in der Muss-Denke gefangen ist.

Tatsächlich aber, ist das Muss eine fromme Lüge.

Fakt ist: Wir haben eigentlich immer eine Wahl.

Und das eigentlich schreibe ich nur, weil es im Leben tatsächlich eine Ausnahme gibt. Ein echtes Muss: Der Tod.

Aber alles andere ist unsere Wahl.

Ich zum Beispiel bin jemand, der viiiiiiiiiiel arbeitet. 50 Stunden Wochen sind keineswegs die Ausnahme. Sondern die Regel.

Nur müssen, muss ich das nicht.

Klar: Meine Kunden wollen bedient, meine Teilnehmer trainiert, meine Klienten gecoacht werden.

Aber das ist doch kein Muss. Dies hier zu tun, war und ist meine Entscheidung. Und nicht das Ergebnis widriger Winde.

Allerdings habe ich das viele Jahre nicht so gesehen. Es gab Zeiten, in denen ich mich bei meiner Göttergattin Maren bitterlich beklagt habe, ob der Sisyphuszustände (siehe Wikipedia) in meinem Arbeitsleben.

“Dann such Dir doch einen bezahlten Job”, war stets ihre ebenso lakonische wie eintönige Antwort.

Nicht sonderlich originell, aber dennoch wahr.

Niemand zwingt mich, das zu tun, was ich tue.

Obwohl…

So ganz stimmt das ja nicht.

Es gibt doch einen Zwinger in meinem Leben, wenn ich es recht bedenke.

Und zwar derjenige, der gerade diese Zeilen verfasst.

Ich bin es, der mich zwingt motiviert, zu tun, was ich jetzt in diesen Minuten gerade tue: Ihnen zu antworten.

Natürlich habe ich Verpflichtungen, die mich ebenfalls zwingen einladen, ihnen nachzukommen.

Meine Kinder beispielsweise.

Aber niemand hat mir damals die Pistole an den Kopf gehalten und gesagt: “Martin, mach mal ein Paar von diesen Botten.”

Auch das war meine Entscheidung.

Ich kenne natürlich auch Situationen, wo ich beruflich rankeulen “musste”, weil es finanziell eng war.

Aber ich hätte genau so gut in den Sack hauen und die Situation an die Wand fahren lassen.

Ich habe mich aber anders entschieden.

Jedesmal.

Und so möchte ich Sie einladen, Ihr Pflichtprogramm als das zu sehen, was es ist: Ihre Entscheidung.

Sie sind es, der “ja” dazu sagt. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Minute für Minute.

Niemand anders. Egal, wer auch immer Sie bittet, bekniet oder bedroht: Ohne Ihr “Ja!” würde nichts passieren.

Klar: Solange man sich selbst aus der Gleichung rausnimmt, erscheint uns das Leben als “Muss”.

Aber das ist nicht nur faktisch falsch.

Sondern das ist auch die Tür, die in die Freiheit führt: Wir sind es, die es entscheiden. Und wir sind es, die uns umentscheiden können (ja, sogar müssen, wenn wir wollen, dass das Leben anders läuft als bisher).

Wenn Ihnen also nicht gefällt, wie es momentan läuft, dann entscheiden Sie sich bitte um.

Nehmen Sie sich einfach die Zeit für die Selbstbild-Rakete.

Stellen Sie das Telefon ab.

Geben Sie Ihren Lieben einen Kuss und ziehen Sie die Tür hinter sich zu.

Und fangen Sie an zu tun, was Sie eh die ganze Zeit schon tun.

Ihre Zeit und damit auch Ihr Leben zu – gestalten.


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