In Memoriam: Vera F. Birkenbihl ist tot
Eine große Frau ist von uns gegangen.
Keine Einfache.
Aber eine Große.
Sie war einer der wichtigsten Treiber der deutschen Bildungsszene, weil sie uns etwas wiederbrachte, das uns mit großem Erfolg in Erziehung und Schule ausgetrieben worden war: Das Lernen.
Nicht im Sinne eines stumpfsinnigen Paukens.
Sondern in einem viel tieferen, lebensbejahendem Sinne.
Lernen, das war früher eher “Auswendiglernen”. Informationen mechanisch ins Gedächtnis pflocken. Ob Vokabeln, Formeln, Geschichtszahlen oder Gedichte: Hautpsache, man konnte Wissen automatisch aus dem Gedächtnis herunterleiern.
Lernen tat man nicht, um etwas zu begreifen, sondern um eine Prüfung zu packen – und danach einfach alles wieder zu vergessen. Weil unnütz. Schlimmer noch: Weil unter Druck und unter Androhung gelernt (“Wenn Du weiter so faul bist, landest Du noch in der Gosse”) .
Denn das war die Denke der Lehrenden in den Fünfzigern und Sechzigern: Lernen als Pflicht. Lernen als bittere Pille. Lernen als Disziplinarmaßnahme, um den stetig drohenden Schweinehund immer wieder in seinen Käfig zurückzuscheuchen.
Diesem düsteren Treiben wohnte ein noch düsterer Geist inne: Der akademische Dünkel, der Lernen und Wissen als Waffe der Arroganz missbrauchte. Sieh her, ich bin Doktor, ich bin besser als Du. Ich stehe über Dir. Ich bin elitär.
Darum drückte und drückt man sich als Wissenschaftler auch nicht allgemeinverständlich aus. Sondern versteckte und versteckt sich hinter einer toten Sprache wie Latein (Pflichtfach nicht nur für Mediziner) und verschwurbelten Bandwurmsätzen, die man mit viel Aufwand entwirren und dechriffieren muss.
Kurz: Lernen war Pflicht und Strafe zugleich. Und wurde von den Lernenden gemieden, wo immer und wann immer es ging.
In dieses starre Reglement brach eine Frau ein, die nicht die scheinbar “faulen” Lernenden beschuldigte, sondern die unbelehrbaren Lehrenden hinterfragte.
Aber anders als Viele, die sich ebenfalls über den Bildungsbetrieb aufregten, lieferte Vera F. Birkenbihl handfeste Werkzeuge für ein leichteres, lustvolleres und (!) vor allem effektiveres Lernen. Praktische Methoden wie zum Beispiel die “KaWas” oder “ABC-Listen“. Lern- und Denktechniken, die vor allem eines waren: leicht zu verstehen, leicht anzuwenden – eben leicht zu erlernen.
Denn Vera F. Birkenbihl beherrschte die große Kunst, Schwieriges und Komplexes zu vereinfachen. Sie war, der Vergleich sei mir erlaubt, der Steve Jobs des Lehrens. Während die große Leistung des Apple-Vorstandsvorsitzenden darin bestand, Technologie benutzerfreundlich zu gestalten, sorgte Vera F. Birkenbihl dafür, dass Lernen gehirn-gerecht und damit ebenfalls benutzerfreundlich wurde.
Und wie Steve Jobs war sie nicht nur eine innovative Querdenkerin – sondern auch spitzzüngig bis hin zum Verletzenden. Sie warnte mich schon in unserem ersten Gespräch, dass sie nicht einfach sei. Dass sie laut werden konnte. Und dass viele mit ihr nicht zurecht kämen. Ein Verlagsleiter, dem ich von der frischen Zusammenarbeit erzählte, verdrehte nur die Augen und wünschte mir mit bedauernden Unterton “viel Spaß”.
Tatsächlich war sie ein streitbarer Mensch. Aber im besten Sinne des Wortes. Manche ihrer Angriffe waren fies und ungerecht. Andere wiederum trafen genau den Punkt. Und so kam es vor, dass wir uns stritten, auch am Telefon anschrien – aber das mochte sie.
Mehr noch: Sie konnte verzeihen. Wenn mal was in die Hose gegangen war, bedeutete das nicht das Ende der Zusammenarbeit. Im Gegenteil: Sie blieb dran. War beharrlich. Gestattete, dass es weiterging.
Das mag erklären, warum sie so sehr polarisierte. Immer wieder traf ich Menschen, die Vera F. Birkenbihl ablehnten. Und andere wiederum, die begeistert, dankbar und voller Liebe für sie waren. Dazwischen gab es wenig. Eigentlich nichts. Entweder fand man sie unmöglich. Oder einfach großartig.
Dazu hat gewiss beigetragen, dass sie aus ihrem “Asperger Syndrom” kein Geheimnis machte: “Eine Störung…, die vor allem durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet ist. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Asperger-Autisten erscheint dadurch „merkwürdig“ und ungeschickt… Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt jedoch nicht als Autisten, sondern höchstens als „wunderlich“ wahrgenommen. Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen. Das Syndrom, das als angeboren und nicht heilbar angesehen wird, macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar“, schreibt “Wikipedia”
Wer das wusste, konnte ihr Verhalten besser einordnen.
Zugleich spürte man, dass die Frau wirklich etwas zu sagen hatte. Denn ihre “Störung” (ich mag es nicht als Krankheit sehen) war etwas, das ich gerne als “große Wunde” bezeichne. Eine schwere Herausforderung, die uns das Leben stellt. Schicksalsschläge, an denen man zerbrechen oder wachsen kann. Je nachdem, was man wählt.
Vera F. Birkenbihls entschied sich, aus ihrer Benachteiligung etwas Bewegendes zu schaffen. Gerade, weil sie aufgrund ihrer Herausforderung eine “langsame Lernerin” war (ihre eigenen Worte), machte sie sich auf, erst das Lernen zu lernen. Und dann das Lehren zu lehren.
Das Ergebnis dieser langen Reise ist ihr Lebenswerk: Ein Opus Magnum aus Hunderten von Büchern, CDs und DVDs, die sich vom Sprachenlernen über Managementmethoden bis hin zu brillianten Vorträgen über Islamismus, Quantentheorie oder das ewig störrische Verhältnis zwischen Mann und Frau erstrecken. Eloquent. Humorvoll. Geistreich. Vor allem aber natürlich: Gehirn-gerecht.
Ja, wir haben eine große Frau verloren.
Aber ihr Werk lebt weiter.
Ruhen Sie in Frieden, Vera F. Birkenbihl.
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Liebe Vera! Danke für dein Sein und deine Arbeit.
Sie hat mir unendlich weitergeholfen, als ich am “Lernsystem” verzweifeln wollte.
Jetztwissen alle, die mit mir zu tun haben – JA, Lernen macht auch Spaß.
Ich werde dich in meine Meditationen und alle guten Gedanken einschließen.
Danke, Vera! RIP
Lieber Martin,
DANKE für den sehr fein geschriebenen Nachruf.
Beim Lesen deiner Gedanken sind bei mir sofort Filme der Erinnerung an sie hochgefahren…
Herzliche Nikolausgrüße.
Peter
Ich hab’s erst jetzt erfahren. Vera B. lebt nicht mehr. Wie traurig. Schöne Worte von Dir über sie. Danke.
Lieber Martin
Danke für deine berührenden und treffenden Worte.
Dir, liebe Vera, alles Gute und Liebe auf deiner weiteren Reise und danke für dein mutiges und gradliniges Sein. Du hinterlässt einen wunderbaren, bereichernden Schatz an Lehr-und Lernwerkzeugen sowie aufrüttelnde Denkweisen.DANKE!
Herzlich, Michaela
Liebe Vera F. Birkenbihl,
durch deine Lehrmethoden wurde unser Leben erst lebenswert!
Ein großes Dankeschön!
Eine stille Trauergemeinschaft
Sehr gut geschrieben, der Artikel, Martin!
Lieber Martin,
Danke für die treffenden Worte.
@Gott: na dann mal viel Spaß mit den neuen Lernmethoden. Insbesondere mit dem Seminar: Wie erschaffe ich die Erde in 4 Tagen und habe einen Höllenspaß dabei (Die neue VB-Methode).
Hochachtung für Vera und ihr Werk.
Danke. Und… mach’s gut.
ich bedanke mich für die sensibel formulierten worte über eine starke, ganz große persönlichkeit. Sie galt mir als idol für alle meine arbeiten und hat meine berufliche entwicklung stark beeinflußt.Hochachtung für sie und ihre werke.
Motiviert und mit Freude zu lernen.
Vera Birkenbihl zeigt dazu die Wege auf.
Liebe Martin, danke Dir für Deine Worte. Sie war großartig…
Ich schließe mich Martins Worten an besser kann ich es nicht sagen.
Liebe Vera, mach da oben weiter und ich denke die Saat hier unten geht nach und nach sowieso auf…..
Vera F. Birkenbihl – ein so humorvoller Lichtblick. Der mühselige Weg zur Selbstironie war immer zu ahnen und hat auch mir den Zugang zu Vera’s Gedankenangebot geebnet. So will ich nochmals danken, mich verbeugen, ihrer gedenken, des Schmunzelns mich erinnernd, das sie in ihrer Frische zauberte. Ein tiefes DANKE ♥
Liebe Vera F. Birkenbihl,
nur wenige Tage vor Ihrem Tod haben wir noch lange telefoniert und Pläne gemacht für weitere Filme. Nachdem Sie ein so gutes Gefühl hatten, nach “Wieviel Ärger braucht der Mensch – Vera F. Birkenbihl und Byron Katies The Work”, das wir in Ihrem Haus aufgezeichnet haben, wollten Sie eine ganze Serie mit Videos, in denen Sie “vor dem Kamin” aus Ihrem Leben erzählen. Auf Grund unserer langjährigen Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt vor der jeweiligen Arbeit des Anderen beruhte, haben Sie das Vertrauen gefasst, vor der Kamera auch intime Dinge aus Ihrem reichen Leben zu schildern, wie Sie es ja auch im oben erwähnten Video getan haben.
Dieses Video! Ich hatte bis zum letzten Moment gezittert, ob Sie die Veröffentlichung erlauben werden, denn niemand – ich sage wirklich niemand – außer Ihnen wäre und war fähig, sich so offen, so verletzlich zu zeigen. Schließlich waren Sie die große prominente Motivations- und Gehirntrainerin mit diesen vielen kompetenten Veröffentlichungen. Und dann sind Sie vor der Kamera so verwundbar, öffnen sich und weinen über die schlimmen Dinge, die man Ihnen angetan hat. (Ich habe übrigens recherchiert, m.E. hat nie jemand das über Sie geschrieben, was Sie glaubten. Die Euro-Millionärin. Ihre Antwort auf die Frage “Ist es wahr” hätte NEIN lauten müssen.)
Sie kannten meine Bücher über The Work, Byron Katie hatte Sie eingeladen, Sie wussten genau, wie die Methode arbeitet und trotzdem haben Sie sich wie ein Kind darauf eingelassen. Und das dann noch öffentlich zu machen! Nicht nur meine Bewunderung ist unermesslich.
Dieses Video ist ganz anders, als Ihre sonstigen Arbeiten und es ist sehr schade, dass wir diese Arbeit nicht fortsetzen konnten.
Ihre Stimme bei diesem letzten Telefonat war zum Verlieben – auch wenn ich die typische kratzige Birkenbihlstimme sehr gemocht habe – ich bewunderte Sie wegen der Länge des Telefonats bei gleichzeitigen Schmerzen und wie immer hatten Sie trotz schlimmen Leidens am Schluss einen Witz auf Lager.
Ich werde Sie immer vermissen!
Ihr Moritz Boerner
PS. Den Umgang mit Ihnen haben meine Freundin und ich immer als sanft, zart und liebevoll empfunden – ich hatte manchmal das leise Gefühl, dass Sie Ihren Asperger bei Anderen nur benutzten, um Ihren Willen schneller und besser durchsetzen zu können. Aber ob das wirklich so war, weiß ich natürlich nicht.
Die Nachricht vom Tod dieser genialen und humorvollen Frau hat mich sehr traurig gemacht. Vera F. Birkenbihl hat mit ihren wundervoll einfach anzuwendenden Denk- und Lernmethoden mein Leben sehr bereichert. Danke dafür! Ihre ABC-Listen verwende ich beinahe täglich.
Ab sofort werden sicherlich alle Engel mit Notizblock und Stift im Himmel und wo auch immer sonst noch umherfliegen…
LERNEN kommt von germ. LAISTI = DIE FÄHRTE und bedeutet “eine Fährte des Lebens verfolgen, Erfahrungen sammeln”. Wenn einen das Verfolgen der Fährten und die dabei gemachten Erfahrungen dermaßen faszinieren, dass andere neugierig werden und einem VON SICH AUS FOLGEN, dann ist man LEHRER. So definiere ich LEHRER in der Ich-kann-Schule. Vera F. Birkenbihl ist eine echte Lehrerin gewesen. Das war für viele Unterrichtsvollzugsbeamte reichlich unbequem aber für die, die sich nicht unterwerfen und einfügen und mitmachen wollen, eine Offenbarung: Man kann auch selber denken, ja, vor-denken, nicht nur nach-denken! Man kann auch einen eigenen Kopf haben, nicht nur einen fremden! Man kann auch den eigenen Verstand gebrauchen, nicht nur den angelernten!
Ver a sagt muss auch Birkenbihl sagen.
Franz Josef Neffe
Dieser großartigen Frau will ich einfach nur DANKE sagen. Für ihren Mut, für ihre Beharrlichkeit, ihre Ideen, für ihre Bereitschaft gegen den Strom zu schwimmen, für die Einfachheit, für ihre Komplexität, ihren Fleiß, und und und . . .
. . .also ganz einfach: DANKE
Mir Bayern sagen auch manchmal, wenn es uns ganz ernst ist: “Vergelt´s Gott!” (unabhängig vom Glauben!)
Lieber Martin!
Vielen dank für die achtsamen Worte – Vera Birkenbihl hat zweifellos polarisiert, in hohem Maße aber auch gefördert, ohne dass dies den Zielpersonen immer bewusst war.
Hoffentlich gelingt es Ihr posthum, aber auch allen Kolleginnen und Kollegen, weiterhin die Neugierde für Entwicklung und Lernen zu entfachen.
Liebe Grüße aus Wien,
Andreas
Vielen Dank Vera Birkenbihl,
was Sie mir für mein Leben mitgegeben haben. Zu einer Zeit, wo Sie noch nicht so bekannt oder “anerkannt” waren, war ich bereits von Ihnen und Ihren Vorträgen fasziniert.
Durch Sie hat Lernen, erleben und die Welt wahrnehmen wieder Spaß gemacht. Viele Kreativität- und Lerntechniken habe ich von Ihnen aufgenommen und werde sie weiter dankbar anwenden.
Was können Sie sich mehr wünschen. Sie bleiben fest und dankbar in den Köpfen vielen Menschen verankert.
Sie leben weiter – vielen Dank !
Dear Martin,
thanks for your kind words.
Vera was, is and will remain a great example for those who want to get ‘more’ out of teaching.
To Vera: thanks for your insights inside!
sincerely,
JM
Ja, eine wahrhaft große Lehrerin!
Dass sie unter Asperger litt wußte ich nicht – das erklärt wirklich einiges. Ich habe auch über sie gebloggt und schau dass ich die Info irgendwie noch unterkriege: http://wp.me/pJUzK-pT
Zum Glück hat sie sehr viele Menschen begeistern können gehirngerecht zu lernen und zu lehren.
Großartige Frau!
Nach meinem Burnout im August 2011 habe ich fast täglich mit den Vorträgen von Vera F. Birkenbihl im Youtube verbracht.
Danke Vera für deine Hilfe. Du hast mir aus dem Herzen gesprochen und ich bewundere deine Hartnäckigkeit und deine Fähigkeit, schwierige Themen pragmatisch und humorvoll zu erklären.
Dein schaffen wir weit über deinen Tod hinaus wirken und ich werde meinen möglichen Beitrag dazu leisten.
Eine grosse Persönlichkeit hinterlässt uns ein wundervolles Erbe.
Herzlichst Martin Studer
Mich hat gerade der schlag getroffen!
habe davon bisher nichts mitbekommen und ja bin sprachlos und traurig!
Ihre Videos und Bücher habe ich vielen Leuten empfohlen und auch mir hat Sie durch Ihre Art viel selbstbewustsein geschenkt!
Danke dafür
Danke Vera Birkenbihl! Uns zu zeigen, wie einfach Kommunkation gelingt, wie schön es ist zu lernen, jeden Tag und immer wenn man es braucht war und ist für mich eines der größten Geschenke, die ich erhalten habe. In meinen Trainings mit Führungskräften sind Sie mit Ihrem Inselmodell immer dabei und verändern Haltungen und Verhalten. Menschen achten mehr auf sich und andere. Kommunkation gelingt, Ziele werden leichter erreicht und ein menschliches Miteinander wird so -auch und gerade in der Leistungsgesellschaft – zur Kultur. Sie haben viel bewegt, Ihr Vermächtnis tut es heute und wird es in Zukunft tun. Ich für mich kann sagen, dass es vielen tausenden Mitarbeitern und Fühurngskräften durch das Wissen und Anwenden Ihrer Kommunkationsmodelle heute wirklich besser geht. Danke, Danke Danke dafür.
Ich verneige mich vor Ihnen.
Ihr Silvio Merkel