Wie Veränderung gelingen kann (Teil 2 von 3)

1 Beitrag

Wie ich schon in Teil 1 der Artikelserie angekündig habe, wird es hier bei coach-your-self.tv pünktlich zu Heiligabend wieder ein Geschenk geben (hier kannst Du Dich anmelden): Den Selbstcoachingprozess “Versöhnung”.

Kernaussage des ersten Teils war: Wenn Du Dich “*****” fühlst, lass es zu. Erspare Dir den Kampf mit den Emotionen, denn das macht es nur schlimmer. Wenn Du sie Dir stattdessen erlaubst, dann sagst Du damit auch “Ja!” zu Dir: Selbst.

Aber was ist das eigentlich für ein “Selbst”?

Was ist dieses etwas in uns, das diese Stimmung erzeugt?

Wie innere Anteile entstehen
Als ich neun Jahre alt war, wurde ich eines Nachmittags von einem Hund in den Finger gebissen. Ich wollte ihn streicheln, und er schnappte zu. Ein kurzer, äußerst schmerzhafter Augenblick, der mein Verhältnis zu Hunden für die nächsten Jahrzehnte verändern sollte. Wann immer ich fortan einen Hund sah, zuckte ich unwillkürlich zurück.

Das ist ein Beispiel.

Ein Zweites: 1988 verfasste ich einem spontanen Impuls folgend mein erstes Hörspiel und versandte es an vier Rundfunkanstalten. Sechs Wochen später erhielt ich ein Anschreiben vom RIAS Berlin: Der Stoff sei gut. An der Ausführung müsse man noch arbeiten. Wenn ich dazu bereit sei, könnten wir ins Geschäft kommen.

Auch das war ein Augenblick, der mein ganzes Leben verändern sollte: Ich erinnere mich noch genau, wie ich aufgeregt in den nahegelegenen Park lief, fassungslos über die Tür, die das Schicksal, oder was auch immer, einfach so aufgestoßen hatte. Es war ein magischer Moment prallen Lebens, der mir zeigte, dass uns so unglaublich viele Chancen und Möglichkeiten offen stehen – wir müssen sie nur ergreifen.

Zwei verschiedene Situationen, beide hochemotional, und beide prägend für viele Jahre oder gar Jahrzehnte. Das ist eine Art, wie Charakterzüge, innerliche Anteile in uns entstehen können.

Eine weitere Form der Zeugung innerer Anteile: Entscheidungen.
Wenn wir zum wiederholten Male in einer Beziehung hintergangen worden sind, ist es nur eine Frage der Zeit bis wir entscheiden: Ab jetzt werde ich nie wieder in diese Falle tapern.

Manchmal treffen wir diese Entscheidung auf der Stelle. Manchmal spielen wir einige Zeit mit dem Gedanken herum, ohne einen klaren Entschluss zu fassen – bis wir die Faxen dicke haben und durchgreifen. Aber egal ob spontan oder nach einem längeren Gärungsprozess: Ist der Entschluss einmal getroffen, „installiert“ unser Gehirn einen Beschützer, einen Wächter, der uns fortan vor engen Beziehungen schützt. Schon wenn wir flirten, erinnert er uns pflichtbewusst an den Kummer von damals. Und falls wir uns doch auf etwas Neues einlassen sollten, wird er dafür sorgen, dass wir dennoch irgendwie auf Distanz bleiben.

Denn das ist ja sein Job. Sein Auftrag, dem wir ihm zugeteilt haben – und den er treu, loyal und engagiert erfüllt. Denn dieser Anteil in unserem Innern möchte, dass es uns gut geht.

Das Paradoxe daran ist jedoch, dass wir diese Aufträge vergessen. Und so kann es kommen, dass wir uns Jahre später wundern, warum wir keine gescheite Beziehung auf die Reihe bekommen. Es ist, als ob wir irgendwann mal ein Antiviren-Programm installiert haben und uns wundern, warum immer wieder diese Warnmeldungen auf dem Bildschirm erscheinen.

Dass wir diese Aufträge vergessen, ist übrigens normal. Denn so kann unser Gehirn besonders effektiv arbeiten.

Leben auf Autopilot
Von den Neurowissenschaftlern wissen wir, dass unser Gehirn aus Milliarden von Nervenzellen besteht, die alle miteinander vernetzt sind. Wann immer wir etwas denken und tun, feuern Nervenzellen gleichzeitig elektrische Impulse durchs Netzwerk. „Cells that fire together, fire together“, heißt es in der wissenschaftlichen Lehre vom Gehirn (siehe Wikipedia). Zellen, die gleichzeitig feuern, vernetzen sich stärker und entwickeln eine sogenannte „neuronale Karte“, die nach einer Weile auf Autopilot läuft.

Denk nur ans Schuhezubinden. Das hast Du als Kind ein paar Mal geübt, bis Du es intus hattest – und heute schnürst Du Deine Schuhe zu, ohne weiter darüber nachzudenken. Das gleiche gilt fürs Fahrradfahren: Als mein lütter Sohn Milton die ersten Runden auf dem Kirchvorplatz gedreht hat, eierte er nicht nur, sondern legte sich ein paar mal auf die Klappe. Heute schwingt er sich einfach aufs Fahrrad und fährt los.

Diese wunderbare Fähigkeit des Gehirns, Gewohnheiten zu bilden, die auf Autopilot läuft, erklärt, warum Stimmungen scheinbar wie aus dem Nichts auftauchen können – ohne unser Zutun.

Und es erklärt auch, warum wir bestimmte Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster nicht einfach so ablegen können.

Denn unser Gehirn hat einen Speichermechanismus entwickelt, der dafür sorgt, dass wir das erlernte Wissen und Können nicht einfach so vergessen. Gott sei dank: Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn unser Gehirn beim Schlafengehen die Erinnerungen verlieren würde und wir am nächsten Morgen alles wieder von vorne lernen müssten.

Leider heißt das auch, dass auch negative Wissensmuster (“Alle Männer sind Schweine”, “Ich bin eh zu blöd”) genauso sicher auf der internen Festplatte abgelegt ist.

Aber das alles ist noch nicht die ganze Wahrheit.

Denn unser Gehirn ist kein Computer.

Sondern etwas Lebendiges.

Deswegen sind unsere Gewohnheiten, unsere neuronalen Karten keine Computerprogramme, deren Code man mal gerade so verändern oder gar löschen könnte.

Wir haben es vielmehr mit quicklebendigen Anteilen zu tun, die einen eigenen Charakter besitzen. Manche sind lustig, offen und kooperativ. Andere wiederum sind mürrisch, scheu oder verärgert. Einige sind reif und erwachsen, andere dagegen wie die Kinder: verspielt, emotional und mit einem leichtfüßigen Blick auf die Welt.

Und hier liegt ein weiteres “Problem”, in dem zugleich ein Schlüssel für Deine Veränderung versteckt ist.

Manche unserer Anteile sind buchstäblich noch wie die Kinder. Geformt im zarten Alter von drei oder vier Jahren – und dann einfach auf dieser Stufe stehen geblieben. Die Folge: Bei bei bestimmten Themen verhalten wir uns selbst als Erwachsene noch wie Vierjährige.

Und genau hier wird es wirklich interessant: Diese inneren Anteile, die je nach Reifegrad, ganz unterschiedliche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen hegen, können sich weiterentwickeln. Und zwar schnell.

Wenn man weiß, wie es geht.

Und genau darum wird es in dem dritten Teil gehen, der am 24.12.2011 online gehen wird.


Lade Dir jetzt eine kostenlose Audio-Meditation herunter, mit der Du innerliche Blockaden, sowie negative Gefühle aller Art sanft und wirksam mildern und auflösen kannst.




  1. Hallo Martin,

    wunderbar erklärt – mir fällt es sehr leicht, mich (und meine Anteile) in Deinen Erklärungen wiederzufinden.

    Vor allem für diese Anteile, die noch ein kindliches Alter haben und sich dann oft in unpassenden Situationen unangenehm zu Wort melden ;-) … für die finde ich den Prozess extrem effektiv. Diese Anteile wieder ins Boot zu holen, mich mit ihnen zu versöhnen und sie im positiven Sinne “altern” zu lassen – das hat in meinem Leben in den letzten Wochen eine wunderbare Veränderung bewirkt, über die ich sehr, sehr glücklich bin.

    Herzlichen Dank an Dich für Deine Begleitung und Unterstützung dabei! :-)

    Liebe Grüße, Ulrike

Beitrag schreiben