Eine enorm wichtige Kraft, die wir für 2012 brauchen (2/3)
Im ersten Artikel dieser dreiteiligen Serie lautete meine These: Gemeinschaft ist wichtig, wenn wir unsere persönlichen Ziele und Wünsche wirklich wahr werden lassen wollen.
Aber schon beim Schreiben wurde mir klar, wie kurzgedacht das Ganze ist.
Denn was im Kleinen gilt, stimmt – so meine ich – erst recht fürs Große.
Bevor ich jedoch meinen eher schlichten Beweisweg antrete, eines noch vorab: Wir begeben uns nun in die Welten der Politik und Wirtschaft. Für eine Website, die sich der persönlichen Weiterentwicklung verschrieben hat, ein eher ungewöhnliches Unterfangen. Aus unserer Branche kennt die Öffentlichkeit eher ein debiles “Tschakka-”Gebrüll als der Versuch, einer dezidierten politischen Betrachtung.
Und doch dürfen wir Selbstcoacher unsere Sicht nicht auf die kleine, persönliche Welt begrenzen. Unser Blick muss weiter reichen, meine ich.
Und in diesem Sinne schreibe ich auch diesen Artikel: Nicht als Verkündigung irgendwelcher Wahrheiten (denn dazu fehlt mir die Kompetenz). Sondern als Anregung, unseren Dialograhmen zu erweitern.
Genug der Vorrede, stürzen wir uns in die Finanzkrise.
Wie ist sie entstanden?
Weil sich Einzelne auf Kosten der Mehrheit bereichert haben.
Im wesentlichen waren es die Banker, die Kredite an Leute vergeben haben, die sie sich nicht leisten konnten. Und um das Ganze zu vertuschen, wurden diese faulen Kredite in “Finanzprodukte” gepackt, die nach außen hin glänzten, aber innen hohl und leer waren.
Als 2008 diese “Finanzprodukte” folgerichtig den Bach abgingen, geriet unser gesamtes Bankensystem quasi von heute auf morgen in Gefahr, komplett abzustürzen.
Also sprang die Gemeinschaft, in diesem Fall “Vater Staat”, ein und rettete die angeschlagenen Akteure mit gewaltigen Finanzkrediten.
Ohne dieses Miteinander wären wir alle in ein Desaster gestürzt.
Schon dieses einfache Beispiel reicht, um das Kräftespiel von Egoismus und Gemeinsinn zu demonstrieren.
Aber die Finanzkrise war ja durch die staatliche Rettung nicht beendet.
Im Gegenteil.
Denn viele Länder haben sich von der ersten Welle der Finanzkrise nicht erholt.
Nehmen wir zum Beispiel die USA, die schon seit Jahren das Tal der Tränen durchwandert: Das Land ist bis zur Halskrause verschuldet, die Arbeitslosenquote ist nach wie vor hoch – und eine Entspannung ist nicht in Sicht.
Dieser enorme Stillstand wird flankiert (oder vielleicht sogar verursacht) durch ein Patt in der amerikanischen Regierung. Bestes Beispiel: Letztes Jahr wären die USA beinahe bankrott gegangen, weil sich Demokraten und Republikaner sich bis aufs Blut bekämpften und sich erst in letzter Sekunde auf eine Anhebung der Schuldengrenze einigen konnten und wollten (siehe auch hier).
Natürlich wären die USA niemals wirklich Pleite gegangen. Keine der beiden Parteien hätte sich soetwas Unverantwortliches wirklich erlauben können. Aber der Kampf bis zur letzten Sekunde, dieses sich gegensetig behindern, sich in die Kniekehlen treten und sich öffentlich dennunzieren, zeigt, wes Geistes Kind hier die Verhandlungen geführt hat: Hauptsache “Ich”.
Griechenland, Spanien, Irland und Italien sind ebenfalls bis an den Rand des Abgrunds gedrängt worden und hängen seit Monaten schon an seidenen Fäden. Eine falsche Bewegung, und sie stürzen in die Tiefe.
Und auch hier: Machtspielchen. Grabenkämpfe. Und politisches Gemetzel.
Einzig Deutschland feiert ein kraftvolles Wirtschaftswachstum. Uns geht so gut wie schon lange nicht.
Wenn man den Wirtschaftsexperten glauben schenken mag, hat unser “Kurzarbeit”-Programm dazu entscheidend beigetragen. Statt die eigenen Mitarbeiter auf die Straße zu setzen oder das Unternehmen durch Streiks zu blockieren, haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammengetan und sich gegenseitig unterstützt: Wir verzichten auf einen Teil des Gehalts und arbeiten gemeinsam daran, dass wieder bessere Zeiten kommen.
Kurz: Es war das “Wir”, das den Unterschied machte.
Und es ist das “Wir”, das uns helfen wird, die weiteren Herausforderungen zu bändigen. Die Finanzkrise ist nur lösbar, wenn möglichst viele zusammenhalten.
Denn auch wenn wir nicht die Krise in Griechenland oder Spanien verursacht haben mögen, sind wir doch so eng mit ihnen vernetzt, das ihr Untergang auch der unsere sein kann. Wohin wollen wir noch unsere Waren exportieren, wenn sie sich keiner mehr leisten kann? Und was ist mit unseren Banken, die Staatsanleihen genau jener Länder gekauft haben, die dann bankrott gehen würden? Sie verlören auf einen Schlag viel Geld, und den Rest des Niedergangs kann man sich in einem solchen Szenario leicht ausmalen.
Ich glaube nicht, dass es soweit kommt, um das hier klar zu sagen.
Nach dem ich monatelang die Schlagzeilen, Berichterstattungen und Essays der Meinungsmacher beobachtet habe, habe ich nun den Eindruck, dass auch der Letzte in der Politik und Wirtschaft begriffen hat, dass ein Auseinanderbrechen der Eurozone die gesamte globale Wirtschaft für Jahre oder gar Jahrzehnte in tiefes Elend stürzen würde.
Niemand will das.
Und auch das allgemeine Gemäkel, dass die Politik zu lahm in ihrer Entscheidungsfindung wäre, halte ich für verfehlt. Tatsächlich sind die oft langsamen politischen Prozesse eher ein gutes Zeichen. Denn Politik ist der mühsame Weg, eine Einigung zwischen vielen Einzelinteressen herzustellen. Und zwar nicht mit Druck. Nicht mit Gewalt. Nicht mit Diktatur. Sondern demokratisch. Durch einen Kommunikationsprozess.
Und das braucht Zeit.
Dass Einigungen also nicht immer von Jetzt auf Gleich gelingen, dass es Parteien gibt, die immer wieder aus der Reihe scheren (wie zum Beispiel unlängst die Briten), dass gestritten und debattiert wird: Das alles sind meines Erachtens Zeichen einer gesundern und quicklebendigen Demokratie. Und dass im Falle eines Falles dann doch auch mal schnelle Entscheidungen herbeigeführt werden, hat die Politik bei der Rettung von Banken oder bei der Anhebung von Schuldengrenzen mehr als einmal bewiesen.
So gesehen, bin ich bedingt optimistisch. Die Chance, die Krise zu meistern, ist keineswegs verspielt.
Aber es gibt natürlich keine Garantie.
Zu zerbrechlich, zu fragil ist die Gesamtheit der Situation.
Und darum stellt sich für mich die Frage: Was passiert, wenn die Eurozone doch zerbricht?
Wie reagieren wir, wenn tatsächlich der Gau eintritt?
Werden wir in Angst oder gar Panik verfallen?
Wird es Straßenschlachten und Plünderungen wie in London oder Paris geben?
Werden wir, die wir bis dato von der Krise einigermaßen gut verschont geblieben sind, plötzlich wieder zu Raubtieren?
Denn hier, an genau dieser Stelle schließt sich der Kreis zum Thema Selbstcoaching.
Denn wir alle haben Mechanismen in uns, die fast automatisch dafür sorgen, dass wir in eine Raubtiermentalität abgleiten.
Der Gehirnforscher Dr. Gerhard Hüther hat mir einmal in einem persönlichen Interview erklärt, dass bei Angstgefühlen die intelligenten Schichten unseres Gehirns (der Neokortex) im wahrsten Sinne des Wortes ausgeschaltet werden und das Gehirn auf die ältesten Verhaltensmuster zurückgreift. Wie Lichter in einem Haus, die verlöschen, sinken wir in eine Dunkelheit zurück und reagieren wir verängstigte kleine Kinder.
Jeder, der schon mal bei einem Streit “außer sich” war oder dem mal die Sicherungen durchgeknallt sind (das Gegenüber übel beschimpfen, Türen knallen, Tassen werfen etc.), weiß. wovon die Rede ist.
Wenn es uns an die Existenz geht oder auch nur zu gehen scheint, gehen uns Mitgefühl, Intelligenz und Kreativität flöten. Wir werden im wahrsten Sinne des Wortes wie Tiere.
Und zwar wie gesagt fast automatisch.
Aber eben nur fast. Wir können diese Impulse vermutlich nicht abstellen – aber wir können lernen, mit diesen Impulsen besser umzugehen. Wir können im Augenblick der Angst, das Gefühl nicht wegmachen. Aber wir können dennoch besonnen bleiben. (Ein Werkzeug dazu ist übrigens der Coaching-Prozess EGON, den Du hier kostenlos herunterladen kannst).
Die Frage also stellt sich: Wo stehen wir momentan in unserer Entwicklung?
Werden wir der Angst als Raubtier oder als Mensch begegnen?
Dazu werde ich in dem letzten Artikel Stellung beziehen.
Aber bis dahin: Was meinst Du dazu?
Lade Dir jetzt eine kostenlose Audio-Meditation herunter, mit der Du innerliche Blockaden, sowie negative Gefühle aller Art sanft und wirksam mildern und auflösen kannst.














Meine Idee dazu: “Ein beständiges WIR braucht viele bewusste Selbsts und ebensoviele gutwillige Ichs, die alle gut miteinander im Austausch sind.”
Das gefällt mir!
Ergänzen möchte ich:
Und Vertrauen, dass der Autausch auch kritische oder heikle Phasen überwinden wird.
Mir fällt dazu spontan ein, dass dies etwas mit der eigenen Wertschätzung zu tun hat und mit der Wertschätzung die wir anderen entgegenbringen.
Wenn ich meinen inneren Wert wertschätze, dann finde ich auf einer anderen Ebene meinen Platz in einer Gemeinschaft – ohne die Spielchen, die wir oft spielen.
In einer Gemeinschaft hat auch das Dienen und das Annehmen können eine Bedeutung.
Und es geht nicht immer darum, dass wir für einen Dienst direkt von dem jenigen, dem wir sie erbracht haben entlohnt werden, sondern manchmal das Leben uns den Lohn von jemandem anders bzw. durch etwas anderes bringt.
Gemeinschaft lebt vom Austausch – und der muss nicht immer nur auf direktem Wege laufen, so wie wir das gewohnt sind.
Dienen, weil der andere Hilfe braucht.
Und Hilfe und Unterstützung annehmen, die scheinbar wie aus Geisterhand für uns auftaucht, wenn wir sie brauchen.
Gemeinschaft bedeutet auch Vertrauen – in mich, in den anderen, in die Welt, in ein göttliches Prinzip, …
Danke Martin
Man mag es schwarzseherisch nennen, aber ich glaube, dass in unserem Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus, eine altruistische Haltung nicht wirklich möglich ist. Im kleinen wohl schon, aber letztlich muss ein Unternehmer immer schauen, besser zu sein als die anderen. Und da geht es eben durchaus auch mal rücksichtslos zu. Das System basiert geradezu auf Egoismus.
Kommunismus funktioniert aber offensichtlich auch nicht. Nach meiner Ansicht muss deshalb einfach jeder einzelne schauen, wie er die Welt ein bisschen freundlicher machen kann – im Kleinen.
Verdana hat es sehr schön gesagt: “Ein beständiges WIR braucht viele bewusste Selbsts und ebensoviele gutwillige Ichs, die alle gut miteinander im Austausch sind.”
Mich stört jedoch ein wenig, dass es ICH´s gibt die das WIR nur dann beachten wenn sie vom WIR Hilfe und Unterstützung brauchen.
Dieses verhalten: ich neheme vom WIR und gebe nichts ans WIR zurück hat einen großen Beitrag an der Krise. Egal ob es die Wirtschaftskrise oder eine Familienkrise ist.