Wie man den innerlichen Motzkopf zum Verstummen bringt (3/3)
Fangen wir ungewöhnlicherweise damit an, wie man mit dem Motzkopf NICHT umgeht.
Ich weiß nicht, in wie vielen Büchern ich Tipps gelesen habe, die alle mehr oder minder auf Folgendes hinauslaufen: “Wenn Sie der innere Kritiker anschreit, dann schreien Sie zurück.”
Tatsächlich verstummt der Motzkopf in vielen Fällen verblüfft und zieht sich zurück. Es tritt eine kurzfristige Erleichterung ein – aber für wie lange? Meist dauert es nur kurze Zeit, und der Motzkopf kehrt zurück. Lauter und aggressiver denn je.
Aber das stört viele Ratgeber nicht.
Im Gegenteil: Für viele Lebenshilfe-Experten hat der Kampf jetzt erst recht begonnen.
In dem Buch “Eat, Pray, Love” gibt es dazu folgende Passage über das Ego, also unseren Motzkopf, zu lesen: “Dein Ego ist nicht da, um Dir was zu bringen. Es ist nur dazu da, um sich an der Macht zu halten… es steht Todesängste aus, weil es nämlich demnächst eins auf den Deckel kriegen soll … mach weiter so … und die Tage des Schurken sind gezählt.”
Und Sonia Choquette rät in ihrem esoterischen Ratgeber “Die Aufgaben der Seele”, alte Muster zu “zerschlagen” und zu “zerstören”.
Selbst der so friedliebende Buddhismus erweist sich angesichts eines EGOs oder Motzkopfes als besonders kriegerisch . „Wenn Euer Ego verletzt ist, so solltet Ihr Euch darüber freuen”, meint der buddhistische Meister Lama Zopa Rinpoche.” In der gleichen Weise, in der sich gewöhnliche Menschen daran erfreuen, wenn ihren Feinden ein Leid zustößt, so solltet Ihr Euch erfreuen, wenn Euer Ego verletzt wird. Ihr solltet daran denken, wie wundervoll es ist, dass diesem Ego diese Verletzungen zugefügt werden.”
Und das sind keine Einzelfälle. Sondern – leider – die Regel. (Weitere Beispiele findest Du bei Google.)
Im Klartext wird Dir geraten: Den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Du willst den Motzkopf loswerden? Dann sei selber einer.
Das ist nicht nur vollkommen unlogisch. Es funktioniert auch nicht. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Wer derart gegen sich selbst vorgeht, kann nur verlieren. So oder so.
Und doch verstehe ich die Absicht dahinter: Der Motzkopf und all die anderen durch Befehl und Gehorsam (siehe Artikel 2 der Serie), sind keine angenehmen Anteile. Und die Überzeugungen, die der Motzkopf vertritt (“Du bist schlecht, Du taugst nichts usw.”), sind falsch und schädlich.
Aber wie Friedrich Nietzsche so trefflich formulierte: “Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.”
Wie können wir also den Konflikt lösen? Den Motzkopf hinnehmen, geht nicht. Ihn bekämpfen, in dem wir einen neuen Motzkopf schaffen, auch nicht.
Wie Einstein so schön sagte, kann man ein Problem nicht mit der Denke lösen, die einem das Problem beschert hat.
Wir müssen also die Ebene wechseln.
Und der Schlüssel dazu ist, dass der Motzkopf unsere Schöpfung ist. Ein Kind, das wir quasi selbst gezeugt haben.
Und Kinder sind lernfähig.
Genau das kannst Du Dir mit einem Prozess zunutze machen, den ich Dir jetzt als nächstes vorstellen möchte.
Der Prozess besteht aus fünf Schritten. Ich habe ihn “Alive” getauft. Zum einen, weil jeder Buchstabe von “Alive” für einen der fünf Schritte steht. Zum anderen, weil “alive” zu deutsch “lebendig” bedeutet. Und genau das ist auch die Quintessenz dieses Prozesses:
- AnErkennen: Mach Dir den Motzkopf bewusst. Und akzeptiere ihn so, wie er ist.
- Lösen der alten, negativen und hinderlichen Überzeugungen.
- Intentionen bejahen: Der Motzkopf hat einen guten Grund, der wichtig ist.
- Versöhnen: Es wird Zeit, den Konflikt zu beenden und wieder zueiannder zu finden.
- Ermutigen: Bleib eine zeitlang am Ball und sorge dafür, dass sich das Neue in Dein gesamtes Leben fortpflanzen kann.
Wichtig daran: Den eigenen Motzkopf zu besänftigen und aufzulösen, kann etwas Zeit dauern. Nicht immer kann man ein Muster, das wir über Jahre oder Jahrzehnte hinweg in uns genährt, gepflegt und gestärkt haben, durch eine halbe Stunde Selbstcoaching verändern.
Es braucht manchmal etwas Muße und Geduld.
Aber auch wenn Du Dir ein bisschen Zeit lässt: Eine erste Linderung kann meist sofort, also schon in den nächsten Minuten eintreten.
Dafür findest Du in diesem Artikel einfache Techniken, die Du sofort anwenden kannst und deren Wirkung sich unmittelbar zeigt. Versprochen.
Das vorausgeschickt, lass uns einsteigen.
Schritt 1: AnErkennen
Das Wort “AnErkennen” hat in diesem Prozess zwei Bedeutungen.
Erstens steckt darin das Wort “Erkennen”.
Wir müssen den Motzkopf zunächst überhaupt wahrnehmen können. Das ist gar nicht so einfach. Denn wir verfangen uns relativ schnell in Gefühlsmustern und merken gar nicht, wie wir uns dabei selbst herunterziehen.
Zum Beispiel, wenn wir vor einem wichtigen Termin stehen (Vortrag, Bewerbungs- oder Kundengespräch, Prüfung, Aussprache mit einer guten Freundin, mit der wir uns gestritten haben und so weiter): Während der Termin immer näher rückt, setzt der Motzkopf ein (“Bestimmt wirst Du das wieder in den Sand setzen”). Und weil wir derlei Gedanken gerade jetzt nicht gebrauchen können, kämpfen wir dagegen an – was den Motzkopf erst recht befeuert. Und so entbrennt ein munteres, manchmal auch gemeines inneres Streitgespräch, bei dem wir zusehends den Boden unter den Füßen verlieren. Wir werden unruhig, fahrig, nervös und unsicher.
Das Fatale daran: Wir merken das oft nicht bewusst, es geschieht einfach so, und wir bemerken das Malheur erst, wenn die innere Schlacht im vollen Gange ist.
Darum ist es so wichtig, dass Du Deine innere Wahrnehmung schulst. Je achtsamer Du wirst, desto leichter kannst Du schon gleich zu Beginn eingreifen.
Eine einfache Form der Wahrnehmung besteht darin, zu prüfen, wie genau der Motzkopf auftritt: Ist es eine Stimme, die sich da äußert? Wenn ja, wo nimmst Du sie wahr? Im Körper? Im Kopf? Links oder rechts? Und wie klingt sie? Laut oder leise? Bedrohlich oder kalt distanziert?
Oder sind es Bilder, die Du vor Deinem geistigen Auge wahrnimmst? Wenn ja, wo genau siehst Du sie? Weit weg? Ganz nah dran? Sind sie klein oder groß?
Und welche körperlichen Empfindungen nimmst Du wahr? Eine Anspannung im Nacken? Ein flaues Gefühl im Bauch? Ein Drücken im Brustbereich?
Wie gesagt: Es braucht ein bisschen, bis wir diese negativen Muster bewusst wahrnehmen können. Aber sobald wir sie klar haben, können sie uns nicht mehr ganz so stark herunterziehen. Wir haben durch die Achtsamkeit eine erste Distanz geschaffen.
Anerkennen heißt zweitens auch Akzeptieren
Es mag nicht gülden, nobel oder rein sein, dass wir einen Motzkopf in uns haben – aber er ist Fakt, er ist da, er ist ein Teil von uns. Das zu leugnen oder gar zu bekämpfen, wäre Blödsinn.
Stattdessen geht es darum, den Motzkopf zu akzeptieren. Auch wenn wir manchmal peinlich berührt sind, dass wir als Erwachsene uns dann und wann immer noch wie Kinder benehmen – diese Tatsache anzunehmen, macht uns zutiefst menschlich. Wir sind halt reiche Charaktere. In uns wohnen viele Aspekte. Einige davon sind erhaben. Andere niederträchtig.
Je eher wir das anerkennen, desto umgänglicher werden wir: Uns selbst und auch anderen gegenüber.
Die 10-Fragen Technik, um den Motzkopf anzuerkennen
Und damit das Ganze nicht schöne Theorie bleibt, habe ich für Dich hier eine praktische Technik von Chris Payne, die Du sofort anwenden kannst. Und sie funktioniert nicht nur für den Motzkopf sondern auch für alle anderen schlechten Stimmungen.
- Beurteile: Wie stark ist der Motzkopf (das schlechte Gefühl) auf einer Skala von 1 bis 10?
(1 = kaum wahrzunehmen, 10 = kaum auszuhalten) - Frage Dich als nächstes: Wie gut kann ich den Motzkopf (das schlechte Gefühl) auf einer Skala von 0 bis 10 akzeptieren?
(0 = gar nicht, 10 = ist mein liebster Freund) - Frage Dich: Kann ich den Motzkopf (das schlechte Gefühl) ein kleines bisschen mehr akzeptieren?
- Wenn Du ein leichtes Akzeptieren spürst, sag danke (selbst wenn es nur ein Funke mehr Akzeptanz sein sollte)
- Frage Dich erneut: Kann ich den Motzkopf (das schlechte Gefühl) noch ein bisschen mehr akzeptieren?
- Sag bei den ersten Anzeichen eines Akzeptierens wieder: Danke
- Erneut: Kann ich den Motzkopf (das schlechte Gefühl) noch ein bisschen mehr akzeptieren?
- Wieder: Danke
- Dann: Wie gut kann ich den Motzkopf (das schlechte Gefühl) auf einer Skala von 0 bis 10 akzeptieren?
(0 = gar nicht, 10 = ist mein liebster Freund) - Und: Wie stark ist der Motzkopf (das schlechte Gefühl) auf einer Skala von 1 bis 10?
(1 = kaum wahrzunehmen, 10 = kaum auszuhalten)
In den meisten Fällen hat sich der Motzkopf nach der ersten Runde wenigstens etwas beruhigt. Der Umgang mit ihm wird angenehmer. Du kannst wieder etwas klarer denken und dabei spüren, dass Du kein Opfer Deiner Gefühle, Deines Motzkopfes sein musst – sondern das durch Annehmen und Akzeptieren das Ruder gezielt in die Hand nehmen kannst. Paradoxerweise.
Probiere es ruhig aus. Selbst wenn die erste Runde noch nicht den großen Durchbruch bringt: Wiederhole es ein paar Mal, und ich garantiere Dir, dass sich Dein Motzkopf, Dein schlechtes Gefühl verändert.
Sobald wir den Motzkopf einigermaßen gut anerkennen können, sind wir bereit und in der Lage, uns mit seinem Gedankengut, seinen Überzeugungen und Absichten auseinanderzusetzen.
Schritt 2: Lösen
Das Hakelige am Umgang mit dem Motzkopf ist, dass er nicht aus Versehen entstanden ist: Sondern aus Erfahrungen.
Ich erinnere mich noch an eine Situation, als ich 17 Jahre alt war. Ich war in der Schülervertretung tätig und wollte ein Konzert organisieren. Während ich versuchte, andere für die Mitarbeit zu gewinnen, stand plötzlich einer der Leute auf, ging zur Tür, drehte sich zu mir um und sagte: “Martin, wenn man sich auf andere verlässt, ist man schnell verlassen.”
Er sollte recht behalten. Das Konzert wäre beinahe gescheitert – wenn ich die Sache nicht selbst in die Hand genommen hätte.
Alles ging gut. Aber die Überzeugung, dass man sich besser nicht auf andere verlässt, machte ich mir trotzdem zu eigen.
Danach war mein Leben gepflastert von Erlebnissen, die diese Überzeugung bestätigten und damit immer weiter verstärkten. Leute, die mich im Stich ließen. Projekte, die immer wieder in eine Schieflage gerieten, weil andere nicht mitzogen. Davon kann ich nicht nur ein Lied singen, sondern eine ganze Oper.
Und so reihte sich eine Erinnerung an die nächste und erzeugte eine betonfeste und keineswegs positive Meinung, was andere Menschen und ihre Verlässlichkeit anging.
Das ist ein typisches Beispiel für eine selbstverstärkende Spirale: Wir entscheiden uns, an etwas Bestimmtes zu glauben, und jedesmal, wenn etwas in diese Richtung geht, bestärkt es die Überzeugung. “Siehste, habe ich doch recht gehabt.”
Wenn wir nun beginnen, die Meinung des Motzkopf zu hinterfragen, präsentiert er uns all die Erinnerungen, in denen die Dinge nicht so gut gelaufen sind. Sei es, dass wir etwas selbst in den Sand gesetzt oder dass uns andere Schaden zugefügt haben.
Je klarer und kräftiger der Motzkopf ist, desto erschlagender die “Beweise”. Allein daran zu denken, was damals an jenem Mittwoch im Herbst geschehen ist, kann unsere Stimmung deutlich nach unten drücken. Aber eine ganze Kette von Erinnerungsketten können eine Wucht besitzen, der wir uns nicht so ohne Weiteres entziehen können.
Wenn Du merkst, dass Dich die Beschäftigung mit dem negativen Gedankengut zu sehr belastet, kannst Du entweder die 10-Frage-Technik verwenden. Oder die folgende Methode:
Technik: Jetzt-Zeit
“Jetzt-Zeit” ist eine Übung, die ich von Stanley Block gelernt habe, der sie wiederum dem Zen-Buddhismus entliehen hat: Sie ist so verblüffend einfach, dass man ihre Wirksamkeit leicht unterschätzt.
Und so geht es: Wenn Du merkst, dass Du nicht gut drauf bist, konzentriere Dich zugleich auf Dein negatives Gefühl und (!) auf etwas Sinnliches. Währen Du zum Beispiel die innere Unruhe fühlst, achte auf Hintergrundgeräusche. Oder streife mit Deiner Hand über eine Oberfläche. Über eine Bettdecke. Das Holz eines Tisches. Den Stoff Deiner Kleidung. Oder koste etwas: Ein Salzkorn. Ein Glas Saft. Egal was, Hauptsache etwas, das Du mit Deinen Sinnen wahrnehmen kannst.
Diese Kombination aus Wahrnehmen Deines Gefühls und das Wahrnehmen von etwas Sinnlichem sorgt automatisch dafür, dass sich Deine negative Stimmung verflüchtigt.
Das ist das Eine.
Das andere: Je mehr es Dir gelingt, Dich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, desto klarer, zentrierter und ruhiger wirst Du.
Tatsächlich ist der Aufenthalt im Hier und Jetzt, also in der Jetzt-Zeit, überaus heilsam: Du bist in Deiner Kraft. Deiner Gelassenheit. Deiner Souveränität.
Genau die richtige Stimmung, um die negativen Erinnerungsketten aufzulösen.
Technik: Hinterfragen
Das Problematische an den Erinnerungsketten ist nicht, dass die Erinnerungen unbedingt falsch sind. Es läuft halt nicht alles glatt in unserem Leben. Das Schwierige ist, dass die Erinnerungskette einseitig ist. Wir sehen nur das Negative. Und nicht die vielen Gegenbeispiele.
Keine Ahnung, wie oft ich Zug, Straßenbahn oder Bus gefahren bin, aber fast immer konnte ich mich darauf verlassen, dass sie mich an den Zielort brachten. Und wenn ich in die Stadt zum Einkaufen gehe, verlasse ich mich ganz automatisch darauf, dass die Geschäfte ebenfalls geöffnet haben. Tatsächlich würde mein Leben noch nicht mal ansatzweise funktionieren, wenn ich mich nicht auf die Müllabfuhr, die Mitarbeiter im Supermarkt oder den Postboten verlassen könnte. Alles Leute, die ihren Job Tag für Tag äußerst zuverlässig erledigen.
Mag sein, dass wir in bestimmten Situationen versagt haben – es gibt Hunderte oder sogar Tausende von Erfahrungen, in denen wir unser Leben richtig gut auf die Kette bekommen haben. Nur können wir das nicht sehen, solange wir die Wucht der Erinnerungskette vor Augen haben.
Und um diese Wucht zu mildern, brauchen wir lediglich eine ordentliche Portion “Zweifel”.
Darum beginnt die Technik “The Work” mit der Frage:
Kannst Du absolut sicher sein, dass Deine Gedanken wahr sind?
Oder: Was war in der Vergangenheit genau anders rum?
Welche Gegenbeispiele gibt es?
Wenn Du Dir diese Fragen ernsthaft stellst, wirst Du schnell merken, dass der Motzkopf zurückrudert: Nein, absolut sicher ist nichts. Es gibt immer auch Gegenbeispiele.
Die Wucht der Erinnerungskette beginnt durch Deine Fragen Risse zu bekommen. Sie stürzt vielleicht nicht sofort ein. Aber sie verliert deutlich an Kraft. Und dadurch gewinnst Du Raum, neue Gedanken und Gefühle zuzulassen.
Technik: Verschmelzen
Diese Technik zählt zu meinen Lieblingen. Sie ist wie alle anderen Methoden einfach anzuwenden, besitzt jedoch eine durchschlagende Kraft.
Sobald Du eine negative Überzeugung entdeckt hast (“Du kannst Dich auf niemanden verlassen”, “Du bist viel zu blöd”) denke gleichzeitig das Gegenteil.
Ich habe zum Beispiel an eine Person gedacht, die mich im Stich gelassen hat und zugleich an eine Person gedacht, auf die ich mich sehr wohl verlassen konnte.
Der Clou dabei ist, an Beides zugleich zu denken.
Wenn Du denkst “Ich bin zu blöd” setze genau das Gegenteil daneben “Ich bin so klug”.
Dein Job besteht dabei lediglich darin, die beiden gleichzeitig zu denken. Das ist nicht immer leicht, und deswegen ist es zu Anfang eher wie Ping-Pong: Dein Gehirn springt schnell zwischen beiden Gedanken hin und her. Notfalls kannst Du übrigens beide Gedanken nebeneinander aufschreiben und dann bei der Übung Beides gleichzeitig betrachten.
Interessanterweise beginnt Dein Gehirn nun von selbst an zu arbeiten. Du wirst merken, dass sich beide Gedanken zu verändern beginnen. Manchmal wird ein Gedanke schwächer. Manchmal beginnen sich die Gedanken zu vereinen. Manchmal erscheint plötzlich ein ganz neuer Gedanke auf der Bildfläche.
Das Entscheidende daran ist, dass Du nichts dabei zu tun brauchst. Du musst nur die Gedanken gleichzeitig aufrecht zu erhalten. Den Rest erledigt Dein Gehirn.
Und genau das ist es, wie Veränderung funktioniert: Du gibst den Stein des Anstoßes und überlässt den Rest Deinem Innern.
Ich habe es öfters erlebt, dass an dieser Stelle der Prozess schon abgeschlossen ist. Das alte Thema verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Und in meinem Inneren macht sich eine große Erleichterung breit.
Aber manchmal bleibt ein Restwert übrig. Als ob noch etwas fehlen würde.
Damit bist Du bereit für…
Schritt 3: Intention bejahen
Wenn Du das “Verschmelzen” soweit praktiziert hast, dass sich die meisten negativen Erinnerungen gelöst haben, wirst Du früher oder später, auf die ursprüngliche Intention, die Absicht hinter dem Gebaren des Motzkopfes stoßen.
Oft will der Motzkopf, dass wir nicht nochmal verletzt werden. Dass wir nicht nochmal Verluste hinnehmen müssen. Uns nicht nochmal blamieren.
Das ist die negative Definition.
Wenn Du aber weiterfragst (“Was will ich stattdessen?”), kommst Du irgendwann zu einer positiven Variante: Dein Motzkopf will im Grunde, dass es Dir gut geht. Dass Du in Sicherheit bist. Dass Du ein schönes Leben führen kannst. Dass Du glücklich bist.
Manchmal liegt diese Intention offen zutage. Manchmal musst Du länger mit Fragen wie diesen hinterherstochern:
- Was will ich damit sicherstellen?
- Warum ist mir das Wichtig?
- Was will ich damit Positives erreichen?
Du merkst, dass Du die tiefste Intention erreicht hast, wenn Du auf etwas stößt, zu dem Du leichten Herzens “Ja” sagen kannst.
Oft geht es um Werte wie Freiheit, Kreativität, Liebe oder Spaß.
Alles Intentionen, die bei Dir Freude auslösen.
Und diese Freude ist zugleich auch der Beleg, dass Du etwas gefunden hast, dass Deinem Inneren entspricht. Deinem Herzen. Deiner Seele. Oder wie immer Du das auch nennen magst.
Sobald Du diese Intention entdeckt hast, sag “ja!” dazu.
Entscheide Dich dafür, dass Du dazu stehst.
Dass es etwas ist, für das es sich einzutreten lohnt.
Und sobald Du dazu “Ja” sagst, geschieht etwas Magisches.
Ein “Ja” zu Deiner tiefsten Absicht ist ein “Ja” zu Deinem Motzkopf. Du erkennst ihn auf seiner tiefsten Ebene an. Du begreifst, dass der Motzkopf es die ganze Zeit mit Dir gut gemeint hat. Dass der Grund für sein Handeln ein guter war.
Und dasa verändert Deinen Motzkopf.
Er, der bisher abgelehnt und bekämpft worden ist, wird nun – endlich – wirklich akzeptiert und angenommen.
Das ist der Zeitpunkt, an dem eine echte Transformation stattfinden kann:
Schritt 4: Versöhnen
Erst, wenn Du die anderen drei Schritte gemacht hast, wird es Zeit für eine echte Versöhnung. Im Kern geht es darum, diesen Anteil einen festen Platz in unserem Leben zu geben, wo es ihm gut geht.
Dafür habe ich einen Prozess geschaffen, den Du hier kostenlos zu Gemüte führen und gleich anwenden kannst (es würde definitiv den Rahmen des Artikels sprengen, den in aller Ausführlichkeit zu beschreiben. Aber Du findest hier ausführliche Videos und Audios, mit denen Du diesen Schritt gut meistern kannst).
Schritt 5: Ermutigen
Wie ich weiter oben schrieb, handelt es sich beim Umgang mit dem Motzkopf (oder dem EGO) um einen Prozess, der Zeit braucht. Klar, es ist manchmal möglich, die oben genannten Schritte in einem Zug durchzuziehen. Aber in den meisten Fällen handelt es sich hier um einen vielschichtigen Entwicklungsprozess, der Deine aktive Ermutigung benötigt.
Denn wir haben nicht nur ein oder zwei Charakterzüge in uns. Sondern viele Hunderte.
Und wenn wir eine Überzeugung aufgelöst und uns mit einem Motzkopf versöhnt haben, taucht oft ein Nächster auf.
Darum ist es wichtig, dass Du eine Zeit lang am Ball bleibst. Und zwar aktiv und bewusst.
Zum Beispiel, in dem Du einige Wochen ein Tagebuch führst, ermutigst Du andere Anteile, die mit dem alten Motzkopf zusammenhingen oder die noch mit den alten Mustern verstrickt sind, hervorzukommen und sich ebenfalls mit Dir zu versöhnen.
Wenn Dir dieses Dranbleiben nicht so leicht fällt, kannst Du auch einen “28 Tage Transformer” nutzen. Das ist ein Prozess, bei dem Du 28 Tage lang durch tägliche Mails darin begleitet wirst, eine große Veränderung konsequent umzusetzen (Mehr dazu findest Du in den Beschreibungen von “Schlank sein kommt von Innen” oder “Mach das Beste aus 2012“)
Damit ist der Prozess “Alive” nun vollständig:
- AnErkennen: Mach Dir den Motzkopf bewusst. Und akzeptiere ihn so, wie er ist.
- Lösen der alten, negativen und hinderlichen Überzeugungen.
- Intentionen bejahen: Der Motzkopf hat einen guten Grund, der wichtig ist.
- Versöhnen: Es wird Zeit, den Konflikt zu beenden und wieder zueiannder zu finden.
- Ermutigen: Bleib eine zeitlang am Ball und sorge dafür, dass sich das Neue in Dein gesamtes Leben fortpflanzen kann.
Und nun Du: Probierst Du die Techniken oben mal aus?
Und schreibst mir, was Du davon hältst?
Lade Dir jetzt eine kostenlose Audio-Meditation herunter, mit der Du innerliche Blockaden, sowie negative Gefühle aller Art sanft und wirksam mildern und auflösen kannst.













Lieber Martin!
Mir fällt dazu der einfach Satz von Michale Ende ein “Wer einen Drachen überwindet, ohne ihn umzubringen, hilft ihm beim Verwandeln.” Dein Prozess ist genial und beinhalt viele wesentliche Techniken aus deinem vielfältigen Repertoir. Danke für dein großzügiges Teilnehmen lassen.
Herzliche Grüße
Susanne
Hallo Martin,
herzlichen Dank für die Tips. Besonders angesprochen hat mich “verschmelzen” !
Würdest du dem Schweinehund mit ähnlichen Methoden auf den Leib rücken? Würde mich ja mal interessieren.
lieben Gruß
Claudia
Ja, würde ich.
Aber wie gesagt: Immer auf versöhnliche Art und Weise.
Martin
Hallo Martin,
Du sprichst mir aus der Seele.
, klar Geduld braucht es!
Mich hat das Zerstören und auch Verletzen des EGO immer gestört, diese Gewalt dahinter. Wie Du schreibst, es ist ein trotziges Kind und die können ganz schön anstrengend sein und nerven. Aber sie sind auch lernfähig
Vielen Dank für Deine tolle Anleitung und super Idee es auch auf den inneren Schweinehund anzuwenden.
Herzliche Grüße Ellen
Hallo Martin,
das war eine morgenfüllende Lektüre, dieser Blogbeitrag
Ich habe dank der Kurse bei Dir viele wunderbare Tools kennengelernt … immer wieder verblüffende Wirkungen erlebt und oft gestaunt.
Mein Lieblingstools ist das, was für mich am einfachsten und universell einsetzbar ist – und dem Du ja auch einen eigenen Kurs gewidmet hast: der Kontakt zur inneren Stimme.
Über “verlässt Du Dich auf andere, bist Du verlassen” könnte ich auch diverse Lieder singen – ich glaube, da sind wir in größerer Gesellschaft. Wenn ich allerdings genauer drüber nachdenke, dann singe ich “die Melodie” meines Vaters nach – das war SEINE sehr schmerzhafte Erfahrung, die er mir unbedingt ersparen wollte. Wobei eine leise Stimme in mir flüstert: “dabei hat er sie mich als Kind fatalerweise selbst sehr schmerzhaft spüren lassen”. Und auch ich habe immer und immer wieder diese Erfahrung machen müssen.
Will ich nicht mehr!
Also, hab ich mir gedacht, bin ich beim nächsten Mal BESONDERS achtsam und wende auch mal an, was ich gelernt habe – was nützt die schönste Theorie, wenn ich sie nicht in die Praxis umsetze?
Vor ein paar Wochen bekam ich dann die gewünschte Gelegenheit. Auf sie folgte erstmal “das normale Programm”: Irritation, Betroffenheit … und dann kam “etwas”, was “den Schutzwall” hochfahren wollte. Aber der kleine Wicht hatte seine Tarnkappe vergessen
und bei Wicht fielen mir sofort die Meditationen aus der “All-you-need-is-love-Kurszeit” ein.
Zeit für die innere Stimme, dachte ich mir. Und die stellte mir die Fragen: “Was ist jetzt das Geschenk in der Situaton? Zu was zwingt sie dich jetzt? Und ist das, wozu sie dich zwingt, nicht etwas, was DU sogar gerne tun möchtest? Etwas, was DIR wichtig ist? Was Du aber immer wieder verschiebst?”
Fiese Fragen irgendwie. Aber das Geschenk war SO offensichtlich.
Und grad im Moment schiebt sie noch hinterher: “Verlass Dich mal zuerst auf DICH! Dann kannst Du Dich auch auf andere verlassen.”
Da muss ich jetzt erstmal drüber nachdenken
Wobei ich noch etwas zu der “größeren Gesellschaft” anmerken möchte, die mit diesem Muster lebt: wie viele Menschen (in der großen Mehrzahl Frauen) haben sich darauf verlassen, dass ihr Ehepartner für sie die lebenslange finanzielle Verantwortung übernehmen wird. Und trotz der vielen, vielen Berichte darüber, dass dies heutzutage kaum noch der Realität entspricht, verlassen sich weiterhin viel zu viele darauf, dass es TROTZDEM so sein wird. Bei aller Liebe
… da ist ein unglaublich starker “Wicht” am Werke, der sie davon abhalten möchte, selbst die Verantwortung zu übernehmen.
Ein schönes Wochenende wünscht euch allen
Ulrike
Moin Herr Weiss,
ich stehe ganz am Anfang eines Weges, der für mich damit begonnen hat, dass ich mit meinem Motzkopf (für mich war es immer ICH gegen meinen Kopf!) gerungen und verloren habe. Leider hat es nicht geklappt, diese Welt zu verlassen, also habe ich diesen “Kampf” wieder aufgenommen.
Bei der Suche nach Hilfsmitteln bin ich auf Ihre Seite gestoßen und sofort hängengeblieben – kein Kampf, sondern Aussöhnung … wie kann das denn angehen? – muss ich gar nicht kämpfen? Ich werde es probieren.
Danke auf jeden Fall für diese ersten Anregungen, ich werde mir erst einmal die drei Artikel zum Motzkopf zu Gemüte führen und dann für mich weitersehen.
Übrigens, Motzen war in meiner Erziehung nie Bestandteil. Trotzdem oder vielleicht auch deswegen komme ich nicht mit Pessimisten (ob innerhalb oder außerhalb meines Kopfes) klar. Hart zu arbeiten, ohne andere zu verletzen (einschließlich Motzkopf) scheint mir einen Versuch Wert zu sein.
Danke.
Alex